OLDENBURG - Erfolgreiche Schülerfirmen in Oldenburg und der Region dienen als mögliches Vorbild für Japans Schulsystem, dem solche praktisch arbeitenden Schülerbetriebe noch völlig fremd sind. Am Mittwoch besuchte die japanische Wissenschaftlerin Ayako Takao aus Yokohama die IGS Flötenteich, um sich ein Bild von der Arbeit der Schülerfirma „schoolart“ zu machen.
Niedersachsen gilt deutschlandweit als Vorreiter für solche nachhaltig arbeitenden Schülerfirmen und pflegt ein entsprechendes Netzwerk. Jürgen Drieling von der Landesschulbehörde in Osnabrück sagt: „Dieser Besuch ist auch eine besondere Auszeichnung für dieses landes- und bundesweit bekannte innovative niedersächsische Bildungsprojekt.“
„Schoolart“ wurde 2005 als AG gegründet und ist seit 2006 genossenschaftlich organisiert. Spezialisiert ist die Genossenschaft auf Druckprodukte und Webseiten, aber es gibt auch beliebte Computer-Seniorenkurse, gemeinsam mit der Grundschule Nadorst. Viele Aufträge laufen schulintern von der Eintrittskarten-Gestaltung über das Bergfest-Plakat der siebten Klassen und die IGS-Broschüre bis zur aufwendigen Abschlusszeitung des zehnten Jahrgangs. Aber auch Aufträge des Horst-Janssen-Museums, des Wettbewerbs „Kinder zum Olymp“ oder aktuell der Träger des Landschulheims Bissel zur Überarbeitung des Internet-Auftritts ziehen die Schüler an Land. Was am Jahresende übrig bleibt, wird wieder investiert oder auch gespendet.
Genossenschaftlicher Partner ist die Volksbank, die kostenfreie Konten zur Verfügung stellt und auch Mitglied der Genossenschaft geworden ist. Die zehn Schüler – vom Siebtklässler bis zum Abiturienten – kümmern sich neben ihrem Unterricht unter Leitung von Lehrerin Karin Benecke um alles selbst: von der Auftragsannahme und Ausführung bis zur Buchhaltung. Montags ist Vorstandssitzung, an den Aufsichtsratssitzungen nimmt auch ein Mitarbeiter der Volksbank teil – und „unterstützt uns extrem gut mit seinem Fachwissen“, sagt Karin Benecke. Kooperiert wird auch mit der Universität, dem Regionalen Umweltbildungszentrum, Horst-Janssen-Museum oder KDO.
„Die Schüler werden über diese Arbeit viel offener und selbstbewusster, wenn sie es, wie hier, nicht ohnehin schon waren“, sagt Jürgen Drieling. Und Pascal aus dem elften Jahrgang ergänzt: „Ich lerne hier, mit Firmen umzugehen, übe mich in Teamfähigkeit, trainiere Vorträge und Präsentationen und habe über diese Arbeit auch meinen Berufswunsch gefunden: Ich möchte Fotograf werden.“ Norbert Klüh, der das lokale Netzwerk betreut, sagt: „Die Schülerfirmen sind bestens geeignet, Interessen und Talente zu entdecken.“ Auch im normalen Schulalltag profitieren die Schüler, hat Karin Benecke beobachtet: „Die Mitarbeit wirkt sich auch positiv auf die sonstigen Leistungen aus.“ Außerdem machten Zusatzvermerke und Zeugnisse über die Mitarbeit in einer Schülerfirma bei Bewerbungen nicht selten den entscheidenden Unterschied.
1)miksmaks (Fröbelschule) mit den Abteilungen Holz, Fahrrad, Catering, Schulbedarf aus Holz, Gesunde Ernährung, Fahrrad und Bürobedarf
2) BVJ-Shop (BBS Haarentor) mit Büroartikeln und Bürobedarf
3) Beauty Akzent Kosmetik (BBS 3): Kosmetik – Behandlung und Verkauf
4) Firma für alles Mögliche (Borchersweg) mit Schreibwarenshop, Betreuung der Solaranlage, Bürobedarf; Regenerative Energien
5) schoolart (IGS Flötenteich): Grafik, Websites, Internetkurse
6) Gesund wie nix (Grundschule Dietrichsfeld) mit Schulfrühstück Gesunde Ernährung
Die Idee nachhaltiger Schülerfirmen zielt u.a. auf die Dauerhaftigkeit der Firmen, auf fächerübergreifende, authentische Lernerfahrungen, ökonomisches, ökologisches und soziales Grundwissen, das im Team erarbeitet wird, selbstverantwortlich und berufsorientierend. Für die Schule bedeutet das u.a. externe Kooperationen und für die Wirtschaft bessere Schlüsselqualifikationen.
Es gibt viele weitere aktive Schulfirmen in Oldenburg außerhalb des Landesnetzwerks. Dazu gehören etwa „SchülerArt“ an der Haupt- und Realschule Osternburg, die Kunstwerke (auch nach Auftrag) anfertigt und verkauft, auch Kioske und Cafeterien werden von Schülerfirmen betrieben (etwa „Snack That“ an der Realschule Hochheider Weg). An der IGS Helene-Lange-Schule arbeiten Firmen wie „einzigArt“ (Werbeagentur) und „Helenes Kraftwerk“ (Energiemanagement).
