OLDENBURG - Generationen von Schülern kannten ihn, Tausende von Lesern schätzen ihn: Karl-Wilhelm Gabbert gehörte zu jenen Persönlichkeiten, die zwei Karrieren in ihrem Leben vereinen. Geboren wurde er 1932 in Pyritz in Pommern. Sein Abitur legte er 1953 an der Wirtschaftsoberschule in Oldenburg ab. Einer Lehre im Stalling Verlag folgte das Studium der Wirtschaftswissenschaften, der Pädagogik und der Germanistik an den Universitäten Marburg und Hamburg.

Promoviert wurde der Diplom-Handelslehrer an der Uni Göttingen. Er arbeitete als Lehrer an den Handelslehranstalten an der Ammerländer Heerstraße, ehe er 1967 Direktor der Berufsbildenden Schulen (BBS I) wurde. 30 Jahre leitete der hoch gewachsene Mann die Schule. Dieter Bohlen machte unter ihm am Wirtschaftsgymnasium Abitur. 1996 pensionierte man den dienstältesten Oberstudiendirektor Niedersachsens.

Schriftsteller war er schon vor seinem ersten Kriminalroman. Obwohl er den Ausdruck immer bescheiden ablehnte. Tatsächlich war „100 Jahre Berufsbildende Schulen I“, verfasst nach der Pensionierung, nicht unbedingt der Knüller. Immerhin war es eine Art des Warmschreibens für seinen ersten Roman. Der folgte dann mit 71 Jahren, aus „Lust und Laune“, wie er einmal gestand.

Der Zufall wollte es, dass der Oldenburger Schardt-Verlag gerade nach regionalen Krimis fahndete. So entstand „Blutspur nach Sylt“, eine Mordgeschichte, die vor allem in Oldenburg spielt und den braven Studienrat Frank Löwenau ins Zentrum rückt.

Nicht nur für den Verlag war das Werk ein Glücksfall. Gabbert stellte es konsequent und gern auf Veranstaltungen vor. Freudig las er in Altersheimen oder Volkshochschulen, schon mal tapfer im fernen Papenburg vor vier, aber auch mal in Oldenburg vor 100 Interessierten. Das Buch erscheint seit kurzem bereits in zehnter Auflage, an die 10 000 Exemplare sind bis heute verkauft. Sein zweites Buch trug schließlich 2005 den Titel „Mörderische Sommerferien“. Auch davon verkauften sich schon fast 5000 Exemplare.

Gabbert war eine stadtbekannte Persönlichkeit, die bekannt war, ohne eitel zu sein. Gabbert hatte Erfolg, ohne darüber jemals abgehoben zu wirken. Er besaß viel Humor, der auch seine eigene Person einschloss. Er war mit einem Selbstverständnis fleißig, das heute keineswegs mehr selbstverständlich ist.

Erst kürzlich feierten Verlag und Autor seine 300. Lesung im Gasthaus Drögen Hasen. Für ein Bettenhaus las er vor einigen Tagen sogar an einem Abend zweimal aus seinem Werk. Fast weitere 50 Veranstaltungen waren schon geplant, auch ein neuer, dritter Krimi schien möglich zu sein. Er hatte viel vor.

Jetzt ist Karl-Wilhelm Gabbert völlig überraschend am Freitagmorgen an einem Herzinfarkt gestorben. Er hinterlässt seine Frau und drei Kinder.