OLDENBURG - Der Umgang mit den Leistungen von Schülern ist eine Herausforderung für die Pädagogen. Nicht alle lösen das optimal.

Von K. Röhr, R. Dehmer

und T. Bücher

OLDENBURG - Lehrer können Schüler nicht nur ermutigen, sondern auch ganz schön alt aussehen lassen. Manche machen das. In der Schule gibt es dazu viele Möglichkeiten. Die Rückgabe von Klassenarbeiten ist eine davon.

Das hat nun die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft aufgegriffen und sich dafür ausgesprochen, wegen des Datenschutzes und aus pädagogischen Gründen auf die Bekanntgabe von Noten vor der Klasse zu verzichten. Gegenüber der NWZ äußerten sich dazu gestern Oldenburger Eltern und Lehrer.

Die Zeugnisnoten seien zu Recht in der Klasse tabu, Gespräche über Noten von Tests oder Arbeiten bewegten sich „in einer Grauzone“, so der Stadtelternratsvorsitzende Bernd Siegel. Man könne zwar „über alles reden“, dies verlange aber „das pädagogische Geschick, nie jemanden bloßzustellen“. Der Austausch und der Umgang damit könnten dann aber auch die soziale Kompetenz der Schüler fördern.

Unter Schulleitern herrscht Einigkeit: Johann Fischer, Leiter der Grundschule Dietrichsfeld, sagt: „Es werden keine Zensuren vor den anderen Kindern bekannt gegeben. Tests werden still zurückgegeben. Ich sehe das in erster Linie als Persönlichkeitsschutz, um Kinder nicht bloßzustellen, die z.B. eine schlechte Note geschrieben haben. Bei uns gibt es auch Notenspiegel. Wir erläutern das den Eltern im persönlichen Gespräch.“

Auch in der Wallschule würden „keine Noten vor den anderen Kindern bekannt gegeben“, sagt Irmgard Hornbostel. Die Leiterin „hat festgestellt, dass die Eltern seit Pisa sehr leistungsorientiert mit ihren Kindern umgehen – da wollen wir in der Schule nicht noch mehr Druck ausüben. Gute Leistungen erreicht man mit Ruhe und Gelassenheit.“

AGO-Direktor Jürgen Herold verkündet ebenfalls keine Noten und sagt bei der Rückgabe von Arbeiten „immer dazu, dass sie nicht nach Qualität oder Noten geordnet sind“. Wenn ein Lehrer einen Schüler bei der Rückgabe schlecht aussehen lasse, „wäre das unmöglich und würde, sobald es bekannt wird, sofort zur Intervention führen“. Wenn er einem Schüler „noch einen Kommentar dazu geben will, dann nicht in der Öffentlichkeit der Klasse – ich gehe davon aus, dass alle das so machen“.

Der Leiter der Realschule Kreyenbrück, Jörg Behrens, sieht ebenfalls den „Schutz vor Bloßstellung“ und „weniger den Datenschutz“ als Hauptargument. Auch am Herbartgymnasium werden Arbeiten kommentarlos zurück gegeben, bestätigt Leiter Günter Tillmann. Einzige Ausnahme: Gute Noten. „Wir loben einfach viel zu selten.“

Auch wenn es nicht die Regel sei, gebe es „durchaus noch Lehrer, die die Neigung haben, generell Schüler vor der ganzen Klasse runterzumachen, anstatt das Gute herauszugreifen“, sagt Elternvertreterin Elke Boecker. Dieses Abkanzeln baue niemanden auf. Boecker: „Da müssen die Eltern was unternehmen und auch mit dem Leiter sprechen.“