Oldenburg - Ausnahmezustand an der Uni Oldenburg? Wenn man die Mail von Dezernentin Nadine Carina Waitz an alle Studenten und Dozenten liest, drängt sich zumindest der Eindruck auf.

Darin ist zu lesen, dass Waitz alles daran setzt, „einen Normalzustand dauerhaft herzustellen, in dem Studierende, Lehrende und Beschäftigte des Dezernats 3 wieder gut zusammenarbeiten können.“ Dem Vernehmen nach ist die Mail der Dezernentin auch in Leitungskreisen der Uni eingeschlagen wie eine Bombe.

Was war passiert? Waitz ist Leiterin des Dezernats 3. Das Dezernat 3 ist mit vier Abteilungen und dem Servicebereich Ansprechpartner für Information und Beratung zu Bewerbung, Studienbeginn, Studium, Prüfungen, Auslandsstudium und Berufseinstieg. Offenbar herrscht in diesem Dezernat derartiger Personalmangel, dass Waitz mit einer Rundmail an alle Studenten mitteilte, ihre Abteilung könne aktuell ihre Aufgaben nicht mehr angemessen erledigen. Bedeutet: Die persönlichen Sprechstunden im Prüfungsamt fallen aus.

Als Grund führt Waitz dafür „zahlreiche längere Personalausfälle“, „fehlendes Personal durch unplanmäßig freigewordene Stellen“, „den Aufwuchs an neu eingeschriebenen Studierenden“ und „ein verändertes Kommunikationsverhalten“ auf.

Als Konsequenz können unter anderem die Studiengänge Pädagogik und Erziehungs- und Bildungswissenschaften vom Prüfungsamt nur noch „durch einen Notbetrieb bearbeitet werden“. Wer eine Prüfung ablegt und sie sich für das Studium anrechnen lassen will, der schaut momentan in die Röhre, sagen Studentenvertreter gegenüber der NWZ. Auch wenn die Universität das auf Nachfrage dementiert und versichert, dass dringende Anliegen schriftlich bearbeitet würden: Der NWZ liegen Schilderungen vor, die das Gegenteil behaupten. So würden mitunter wichtige Prüfungsangelegenheiten über Monate nicht bearbeitet.

Auch der AStA, die allgemeine Vertretung der Studierendenschaft, schlägt Alarm. „Diese Rundmail an die Studierenden und Lehrenden der Universität ist das Eingeständnis des völligen Versagens bei der Betreuung der Studierenden“, sagt Moritz Zeising, AStA-Sprecher.

Mit einem Seitenhieb auf die zahlreichen Rauswürfe von Studenten, die nicht pünktlich ihre Gebühren bezahlt hatten, kommentiert Raphael Heitmann vom AStA die Situation: „Wenn das Dezernat 3 unter anderem mit der Anzahl der Studierenden nicht zurecht kommt, haben wir vielleicht auch die Erklärung, weshalb versucht wurde, scharenweise Studierende zu exmatrikulieren.“ Die Uni hatte diese Rauswürfe nach der Berichterstattung der NWZ teilweise wieder zurückgenommen.

Auf Anfrage sagt die Uni: „Die Universität Oldenburg hat Verständnis für den Ärger derjenigen Studierenden, denen derzeit nur ein eingeschränkter Beratungsservice zur Verfügung steht. Sie selbst bedauert diese Situation.“ Gleichwohl seien „von diesen Einschränkungen“ nur Studenten aus insgesamt sieben von 101 Studiengängen betroffen. Sie seien „per Mail darüber informiert, dass ihnen im genannten Zeitraum bedauerlicherweise keine unmittelbare persönliche Beratung im Prüfungsamt angeboten werden könne.“