OLDENBURG - Ralf Germer ist Freiland-Biologe, ein Schmetterlingsexperte: Seit sieben Jahren hat er nach einer Stelle gesucht, von Fortbildung zu Fortbildung. Jetzt hat er es geschafft: Im Oktober kann der Akademiker bei der MediaNord in Lübeck – den Machern der Seite www.digitalkamera.de – ins Volontariat starten. „Zu verdanken habe ich das dem Pilotprojekt von VHS und ARGE“, sagt der Diplom-Biologe. In dem Praxisprojekt konnte er nicht nur sein Faible für Foto, Grafik und Layout einbringen, sondern auch an seinem etwas zu zurückhaltenden Auftreten arbeiten. Mit Erfolg.

Das Projekt ist „in dieser Weise bundesweit einmalig“, sagt Volker Trautmann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Agentur für Arbeit und der Stadt (ARGE), die dafür mit der VHS kooperiert. „Beide Einrichtungen bündeln ihre Kompetenzen in dem Praxisprojekt, um arbeitsuchenden Akademikern den Weg ins Berufsleben zu ebnen.“ Mindestens doppelt so viele hätten gerne teilgenommen, aber für 20 war nur Platz. Im Oktober, wenn der Halbjahres-Kurs zu Ende ist, soll wegen der guten Erfahrungen gleich ein neuer Kurs beginnen.

Nach einer Einführung ins Projektmanagement arbeiten die Teilnehmer nun an eigenen Themen: Die Projektgruppe „Sonne2.OL“ plant für den 14. Oktober einen Familienschautag auf dem Schlossplatz über regenerative Energien. Die Gruppe „Mediengeschichte“ macht einen halbstündigen Film mit Portraits junger Musiker und eine 50-seitige Broschüre dazu, um auch anderen (wieder) Lust auf Musik zu machen.

Beteiligt sind Diplom-Pädagogen, Wirtschaftswissenschaftler, Germanisten, Biologen, Diplom-Kaufleute, Diplom-Chemiker, Bauingenieure, Datenverarbeitungskaufleute und Sozialwissenschaftler, alle unterschiedlich alt, manche sind gerade erst, direkt nach dem Studium in die Arbeitslosigkeit gerutscht, andere suchen seit Jahren.

VHS-Koordinatorin Cornelia Koopmann sagt: „Die Teilnehmer richten sich hier neu aus, übernehmen Verantwortung, arbeiten sehr selbstständig, bewegen sich im Markt, bauen Netzwerke auf und kommen in Kontakt mit Firmen, Organisationen und Verbänden.“ Klaus Eilers, der Abschlüsse in BWL und Wirtschaftswissenschaften hat, seit zehn Monaten eine Stelle sucht und in dem Projekt für die Organisation des Sponsoring sorgt, sagt: „Wir knüpfen Kontakte, aber wir lernen auch eine Menge dazu und entwickeln uns weiter.“ Eilers würde gerne in Öffentlichkeitsarbeit machen. Für die Germanistin und Historikerin Johanne Uphoff spielt die Teamarbeit eine große Rolle. Die 29-Jährige, die so gern in einem Museum arbeiten würde, glaubt nicht, dass alle gleich wieder eine feste Arbeit bekommen. „Aber die Chance wird dadurch auf jeden Fall größer.“ Die Teilnehmer bringen dafür auf jeden Fall die nötige Entschlossenheit und Energie mit. Cornelia Koopmann sagt: „Da ist soviel Motivation, Kraft, Engagement und

Dynamik drin. Am Ende des Projektes oder eine gewisse Zeit danach werden viele der Teilnehmer wohl wieder etwas haben.“