OLDENBURG - Für Oldenburg ist es eine Premiere: Mit geballter Kraft wollen Jugendamt, Klinikum, Schulbehörden, Elternvertreter und Universität dem Phänomen Schulverweigerung auf die Spur kommen und künftig miteinander zum Wohl der jungen Menschen neue Wege gehen. Die Zahl der Schulverweigerer in der Stadt schwankt in geringer Bandbreite: So liegt sie in jüngster Zeit bei etwa 188 pro Jahr. Nach wie vor sind es vor allem Hauptschüler, die ,keinen Bock’ auf Unterricht haben.
In der Veranstaltung „Keine Lust auf Schule?“, die am Donnerstag, 29. Oktober, um 14 Uhr im Alten Landtag beginnt, werden Experten neue Konzepte vorstellen. Es wird aber auch ein differenzierter Blick auf die Entwicklung einer Schulschwänzerkarriere gelegt, die in extremer Ausprägung zu psychosomatischen Erkrankungen und einer Schulphobie führen kann.
Dieses Phänomen wird Dr. Agneta Paul, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum erörtern, die als Gastgeberin die Tagung eröffnet.
Professor Manfred Wittrock von der Universität Oldenburg gewährt Einblick in seine neuesten Publikationen: Er setzt sich dafür ein, dass die Lern- und Lebensbedürfnisse der Schüler bei der Unterrichtsgestaltung abgebildet werden und ein für alle Schüler lernförderliches Klima geschaffen wird.
Tiefe Einblicke in die Welt der Schulverweigerer erlaubt auch Ingo Krüger vom Jugendamt der Stadt, der bereits 2008 mit den Schulen Alexanderstraße, Ofenerdiek und Kreyenbrück ein Schulverweigerer-Projekt gestartet hat und engen Kontakt zu diesen Schulen hält. Er wird das Nico-Projekt vorstellen, bei dem Prävention, Intervention und Handlungsideen von Schule, Eltern und Behörden zum Wohl der einzelnen jungen Menschen ineinandergreifen sollen. Für Jugendamtsleiter Dr. Frank Lammerding steht fest, dass „wir es uns nicht leisten können, dass weiterhin in diesem Umfang junge Menschen ohne Abschluss die Schulen verlassen“.
Außerdem diskutieren bei dieser öffentlichen Tagung am Donnerstag, zu der auch Eltern eingeladen sind, Harald Bouillon (Landesschulbehörde) und Thomas Zielke (Stadtelternrat).
