OLDENBURG - OLDENBURG - Zuerst gab es viel Kritik, als bekannt wurde: Kultusminister Bernd Busemann (CDU) schafft die Orientierungsstufe ab. Inzwischen hat sich der Sturm gelegt, die Reaktionen der Oldenburger Schulleiter sind zumeist positiv.
So berichtet Franz Held, Leiter der Cäcilienschule: „In diesem Schuljahr mussten wir keinen unserer Schüler auf die Realschule herunterstufen. Eher das Gegenteil war der Fall: Wir haben drei ehemalige Realschüler bei uns aufgenommen.“ Das neue Schulsystem, welches einen Wechsel auf die weiterführenden Schulen schon nach der vierten Klassen vorsieht, bewertet Held positiv: „Die Kinder lernen in einem homogenen Umfeld und erleben die älteren Schüler als Motivation.“
Nicht viel anders als an der Cäcilienschule zeigt sich die vorherrschende Situation auch an anderen Gymnasien. So berichtet Gunda Latzel vom Herbartgymnasium: „Aus der fünften Klasse mussten ausschließlich zwei Kinder herunter gestuft werden, diese hatten allerdings auch eine Realschulempfehlung.“
Von einem solchen Fall kann auch Wieland Herold, Leiter des Neuen Gymnasiums Oldenburg berichten. Ansonsten sei aber festzustellen, dass sich die Eltern relativ eng an den Schulempfehlungen der Grundschullehrer orientiert hätten. Und auch die Beratungsgespräche mit den Schuldirektoren würden zu einer recht niedrigen Wechselquote unter den Schülern beitragen.
Überzeugt vom neuen Schulsystem ist ebenfalls Detmar Damke, Konrektor der Realschule Kreyenbrück. „Wir können nun ab der fünften Klasse zielgerichteter unterrichten, so wird eine Über- oder Unterforderung der Schüler verhindert,“ stellt er zufrieden fest. Auch die Durchlässigkeit des neuen Systems wird von den Schulleitern gelobt. So berichten die Schulen von mehreren Fällen, in denen falsch eingeschätzte Schüler problemlos von der Haupt- zur Realschule, als auch von der Realschule zum Gymnasium wechselten.
Alois Riesenbeck, Leiter der Paulusschule, wertet diesen Aspekt des Systems zwar ebenfalls als Erfolg, sieht die Auflösung der Orientierungsstufe aber durchaus auch kritisch. „Schüler, bei denen die Zuteilung nicht so leicht durchführbar ist, werden eventuell benachteiligt,“ befürchtet der Schulleiter.
Diskussionen und kontroverse Meinungen existieren schon seit Gründung der Orientierungsstufe in den 80er- Jahren. Befürworter versprachen sich von dem dreigliedrigen Schulsystem bessere Leistungen der Schüler und größere Chancen für Spätentwickler. Kritiker hingegen bemängelten, starke Schüler würden durch den gemeinsamen Unterricht unter- und leistungsschwache Schüler überfordert.
In einem Punkt sind sich die Schulleiter allerdings einig: „Eine endgültige Bilanz kann erst in einigen Jahren gezogen werden.“
