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SCHULPOLITIK Chance oder Überforderung?

OLDENBURG - Über 300 Besucher kamen. Eingeladen hatte das Hermann-Ehlers-Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Von Karsten Röhr

OLDENBURG - Schule soll mehr Verantwortung übertragen bekommen, sagt der Kultusminister – „weil eigenverantwortliche Schule effizienter ist als andere Schulen; da müssen wir vom Ausland lernen, die machen uns das seit 20 Jahren vor“. Bernd Busemann warb am Montagabend im vollbesetzten PFL für seinen Gesetzentwurf, der diese Übertragung regelt und – bei erfolgreicher Abstimmung – zum August 2007 gestartet werden soll.

Busemann steht mit seinem Bemühen um eine bessere Schulqualität über den Weg der Eigenverantwortung nicht alleine da. Der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Wolfgang Jüttner, flankierte zumindest einzelne Bereiche des Entwurfs: „Wir sind an einigen Stellen gleicher Meinung.“ Und tatsächlich weist der am Montag ebenfalls präsentierte Gesetzentwurf der SPD starke Parallelen auf – allerdings auch Abweichungen. Schule brauche mehr pädagogische Freiräume und die Möglichkeit der Abweichung von Verwaltungsvorschriften – etwa mit anderen Formen der Leistungsbewertung der Schüler. Mit Entlastungs-Strategien für die Schulleiter und umfassenden Qualifizierungsstrategien für alle Beteiligten „hat das Zukunft“.

Für die Grünen signalisierte die Landtagsabgeordnete Ina Korter prinzipielle Unterstützung für die eigenverantwortliche Schule, wenn damit tatsächlich Qualitätsentwicklung, pädagogische Freiheiten und Mitwirkungs- und Mitverantwortungsrechte aller an der Schule Beteiligten verbunden seien mit einer Stärkung von Eltern- und Schülerrechten. Sie warb allerdings für das Grünen-Modell einer Basisschule, in der alle Schüler neun Jahre zusammenbleiben. Im 10. bis 12. Lernjahrgang teilten sie sich dann in Gymnasiale Oberstufe und Berufliche Bildung.

Nicht nur mehr Lehrer, wie einige Zwischenrufer es sich wünschten, sondern auch mehr Einfluss für die Eltern forderten Elternvertreter Bernd Siegel und auch einige Elternräte aus dem Publikum. Siegel: „Wir wissen genau, welche großen Ressourcen Eltern haben. Wir haben Interesse an der Entwicklung von Schule und wollen uns das nicht nehmen lassen.“

Leichte Turbulenz kam auf, als eine Gruppe von Schülern in den Saal drang, um ihr Missfallen über geschehene und geplante Veränderungen deutlich zu machen. Statt eigenverantwortlicher Schule, forderten sie etwa „mehr Mitspracherecht für Schüler, Eltern und Lehrer in der Schule, die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit und die Abschaffung des Zentralabiturs und anderer zentraler Vergleichstests“.

Der Lüneburger Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Matthias von Saldern äußerte Sympathie dafür, dass „es Schüler gibt, die da für ihre Sache kämpfen“. Zum Busemann-Paket sagte er: „Ich befürchte eine Dauerüberforderung der Schulen.“ Damit sei nichts gegen die einzelnen Maßnahmen, sondern nur gegen die Gesamtwirkung gesagt. Schule und Schulleiter befänden sich zurzeit „im Schraubstock“. Von den Eltern forderte er, selbst Verantwortung zu übernehmen und sich auch mal kritisieren zu lassen: „Wenn ein Kind nicht entschuldigt fehlt, kriegen die Eltern auch eins auf die Mütze.“

Politiker und Schulexperten

An der Podiumsdiskussion

der Konrad-Adenauer-Stiftung, zu der auch Eltern und Elternvertreter aus der gesamten Region bis Hannover ins PFL kamen, beteiligten sich außer Kultusminister Bernd Busemann die Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter, der SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Jüttner, der Erziehungswissenschaftler Professor Dr. Matthias von Saldern und der Oldenburger Elternvertreter und Mitgründer der Initiative „Gute Schule“, Bernd Siegel. Für die Moderation sorgte Anke Genius (NDR).
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