OLDENBURG - Immer mehr Schüler können nicht schwimmen. Das liege an Eltern, Schulen und Zeitdruck bei Prüfungen, sagen Beobachter.

Von Karsten Röhr

OLDENBURG - „Es gibt immer mehr Kinder, die nicht schwimmen können“, sagt der DLRG-Vorsitzende Rolf Hullmann. Und selbst bei denen, die als Schwimmer beim DLRG weitermachen wollen, „ist das vom schwimmerischen Verhalten bis zum Schwimmstil oft sehr, sehr dürftig“, sagt Hullmann.

Dieselbe Beobachtung hat die Realschullehrerin Maja Becker gemacht. Als sie vor den Sommerferien mit ihrer fünften Klasse einen Ausflug ins Olantis machen wollte, konnten acht der 24 immerhin elf Jahre alten Kinder nur ins Nichtschwimmer-Becken. „Badeunfälle von Kindern nehmen zu.“ Die Eltern seien gefordert, mit ihren Kindern Schwimmkurse zu besuchen. Die Bedingungen der Realschule Eversten mit dem benachbarten Hallenbad seien gut, doch Sportlehrer könnten den Rückstand von so vielen Elfjährigen im normalen Schwimmunterricht gar nicht aufholen. Außerdem gebe es „immer mehr Spaßbäder, aber richtige Schwimmhallen sind kaum noch gewünscht“.

Ein Schwimmtrainer sagte gestern, abgesehen von Versäumnissen von Eltern fehlten den Schulen oft geeignete Aufsichtskräfte, um entsprechende Schwimmzeiten in Anspruch zu nehmen, zum anderen seien manche Schulen nicht flexibel genug, wenn der gewünschte Termin nicht frei sei, auf einen anderen Termin auszuweichen.

Kritik übte Rolf Hullmann gestern an kommerziellen Schwimmkursen, die in einem festgelegten Stundenumfang möglichst alle Teilnehmer zu Abzeichen wie dem Seepferdchen oder auch dem Jugendschwimmer Bronze brächten. Unter dem Druck der gesetzten Zeit und der Eltern werde zu oft ein Auge zugedrückt. Hullmann: „Das spricht sich herum, wenn nur die Hälfte durchkommt – und das ist schlecht fürs Geschäft.“ Gerade viele Seepferdchen-Schwimmer seien ernsthaft überhaupt nicht in der Lage, diese Leistung zu erbringen. Hier müssten dann eben weitere Stunden gegeben werden. Ohnehin sage das Seepferdchen „nicht aus, dass jemand schwimmen kann“, sondern nur, dass er die Voraussetzungen habe, sich weiterzuentwickeln. Schwimmer müssten mindestens auf dem Leistungsstand des Jugendschwimmer Bronze sein, den man „pauschal mit sechs Jahren“ erreichen könne, manche auch schon mit vier oder fünf Jahren. Aber das Abzeichen sei ohne regelmäßige Verfestigung nicht viel wert: „Das muss sich erst mal einbrennen.“

Schulschwimmzeiten werden in allen drei städtischen Bädern angeboten. Durch das Olantis habe sich die Angebotslage „deutlich entspannt“, sagte Stadtsprecher Jürgen Krogmann gestern. „Wenn morgen eine Schule kommen würde und sagt, sie braucht zusätzliche Schwimmzeiten, müsste das machbar sein.“