OLDENBURG - Nicht für die Schule, sondern für das Leben soll gelernt werden. Das pralle Leben findet aber bereits jeden Tag mitten in der Schule statt – auch mit Sorgen und Nöten aus Elternhaus und Schulleben und dem Bedürfnis nach vertrauensvollem Gespräch. Für die Schule, die immer stärker zur Ganztags-Einrichtung wird, bedeutet das eine große Herausforderung, die zwischen Tür und Angel nicht immer zu lösen ist. Für das Schulklima ist es aber wichtig, dass diese Herausforderung ernst genommen wird. Das Gymnasium Eversten hat darauf reagiert. Vor acht Jahren wurde mit der Ausweisung als erstes Ganztagsgymnasium hier auch die erste Schulsozialarbeiterin eingestellt: Imke Helfers (40), Diplom-Sozialpädagogin und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern, arbeitet seitdem auf einer 20-Stunden-Stelle als Sozialpädagogin für den Ganztagsbereich. Sie sagt: „Als ich 2004 hier anfing, hieß es nur: ,Machen Sie mal.’ Dann habe ich losgelegt. Die Schule war und ist total offen dafür, das passt einfach gut zusammen.“

Die Investition zahlt sich seitdem täglich aus. Jeden Vormittag von Montag bis Donnerstag und montags und donnerstags auch am Nachmittag steht Imke Helfers Schülern und Lehrern in ihrem gemütlichen kleinen Büro mit dem roten Ledersofa und den hübschen Postern zur Verfügung. In den Pausen ist sie auch im Schulgebäude präsent.

Im vergangenen Jahr gab es 196 Beratungskontakte. Neben der Einzelfallhilfe gibt es Krisenintervention, Mediation, Lern-, Eltern- und Kollegenberatung. Jeder Kontakt wird vertraulich behandelt, weil die Schweigepflicht gilt. Helfers macht zudem ein zehnstündiges Teamtraining mit jeder fünften Klasse, um die Klasse eine Gruppe werden zu lassen, sie begleitet das Patenprojekt, in dem ausgebildete Neuntklässler sich intensiv um die Fünftklässler kümmern, sie betreut das Projekt „Tellerrand“ mit zahlreichen außerunterrichtlichen Freizeitprojekten für Fünft- und Sechstklässler, den Freizeitraum, die Spielausleihe und sie bietet die AG „Fit und entspannt in den Nachmittag“ an, wo neben Yoga und Fantasiereisen auch schon mal Gurken- und Schokomasken gemacht werden und einem Kurs, der ermutigt, der das Selbstwertgefühl steigert, der hilft Prüfungsängste zu überwinden, Stress abzubauen und sich den Anforderungen des Schulalltags zu stellen.

Klar, dass sie die Schüler dabei gut kennen- und schätzen lernt. Sie sagt: „Der erste Jahrgang, den ich betreut habe, die damaligen Fünftklässler, hat jetzt Abitur gemacht. Da habe ich eine Träne im Knopfloch.“

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg