OLDENBURG - Kinder zu betreuen, die aufgrund ihrer Erkrankung oder Behinderung nicht lange leben werden, und ihren Familien beizustehen – dieser Aufgabe stellt sich seit zwei Jahren ein Projekt im Kinderzentrum Oldenburg. Die Carlo-Collodi-Schule in Westerstede macht jenen Kindern und Jugendlichen ein Angebot, die aufgrund von psychischen Problemen Schwierigkeiten mit dem Schulbesuch haben.
Beide Einrichtungen gehören zur Diakonie in Oldenburg – und beide erhalten jetzt Unterstützung von der Wirtschaftlichen Vereinigung Oldenburg – Der Kleine Kreis. Sie hilft auch in diesem Jahr wieder mit Spenden, die auf dem traditionellen Schlossabend Anfang Dezember gesammelt wurden.
Am Montag übergaben der Vorstandsvorsitzende Prof. Dr. Heinz-W. Appelhoff, Vorstandsmitglied Martin Grapentin und Geschäftsführer Jürgen Lehmann insgesamt 11 200 Euro – an das Kinderzentrum Oldenburg 6000 Euro, an die Carlo-Collodi-Schule 5200 Euro. Weitere Spenden erhalten das Wohnheim des Caritas-Vereins Altenoythe in Ramsloh und das Hospiz St. Peter in Oldenburg.
Tod im Kindesalter
Dr. Michael Wagner, Leiter des Kinderzentrums, berichtete, dass sich das Projekt im Kinderzentrum um Kinder kümmere, die aufgrund angeborener Stoffwechselstörungen, schwerer Verletzungen oder bei der Geburt erlittener Schäden in der Regel noch vor der Einschulung sterben müssten – und um ihre Familien. Zurzeit betreuen eine Medizinerin und eine Psychologin (neben anderen Aufgaben im Zentrum) sechs Kinder im Alter von drei Monaten bis fünf Jahren. Das Projekt gehöre zu einem Netzwerk, das von der Medizinischen Hochschule Hannover koordiniert werde.
Ziel sei es, die Familien zu stabilisieren und den Kindern so weit wie möglich immer wiederkehrende intensivmedizinische Maßnahmen zu ersparen. Das Projekt werde, anders als in anderen Bundesländern, von den Kassen finanziert, sei aber bis Ende des Jahres befristet. Er sei aber guter Hoffnung, dass es weiter gefördert werde. Die Spende freue ihn besonders, weil die betroffenen Kinder kaum eine Lobby hätten. Das Geld soll für Zoobesuche oder Kurzurlaube genutzt werden.
Eva Treitz, Leiterin der Carlo-Collodi-Schule, sagte, dass 180 Jugendliche aus dem Oldenburger Land ihre Einrichtung besuchten. Sie biete als einzige Einrichtung Schulverweigerern, die seit mehr als zwei Jahren nicht am Unterricht teilnehmen, eine Chance. 80 Prozent der Schüler seien bereits in ambulanter oder stationärer Behandlung gewesen: „Die Zahl der psychischen Störungen nimmt zu.“
Arbeit im Tierheim
Ein neues Angebot der Schule ist eine Klasse, in der vier Schüler von einem Lehrer unterrichtet werden, der auch gelernter Zimmermann ist. Im Mittelpunkt stehen praktische Bildung und die Grundlagenfächer Deutsch, Englisch, Mathe. Die Jugendlichen arbeiten auch im Oldenburger Tierheim, wo sie unter anderem Dächer für Katzenhaus und Kaninchenställe fertigten. Mit dem Spendengeld sollen unter anderem Werkzeuge beschafft werden.
