OLDENBURG - OLDENBURG - Bill Gates, Günther Jauch und Sönke Wortmann haben eines gemeinsam: Sie haben studiert, aber ohne Abschluss die Uni verlassen. Auch Oldenburger Studenten verlassen gleich nach dem ersten oder aber nach 14 oder 15 Semestern die Uni ohne Diplom oder anderen Abschluss.

Jan war neun Semester an der Uni eingeschrieben, bis er sich entschloss, eine Ausbildung zu machen. „Die letzten Semester habe ich schon nicht mehr richtig studiert“, sagt er. Sein Nebenjob machte ihm mehr Spaß, also bewarb er sich dort und wurde genommen.

„Studienabbruch ist nicht das Eingeständnis des eigenen Versagens, sondern ein Neuanfang“, sagt Beate Schmitz vom Hochschulteam der Agentur für Arbeit. Zweimal in der Woche berät sie in der Uni. Außerdem hält sie zusammen mit Margrit Ladenthin in regelmäßigen Abständen Seminare für Studenten zum Thema Studienabbruch. „Das Erste, was die Studenten dort feststellen, ist, dass sie nicht alleine sind“, so Schmitz. Gemeinsam wird dann nach Alternativen zum Studium gesucht.

Neben der Ausbildung kann das auch der Schritt in die Selbstständigkeit sein. So auch bei Andreas Baumann. Nach der Lehre zum Zimmermann studierte er Architektur. Als seine Stammkneipe schloss, machte er selbst eine auf. „Am Anfang dachte ich noch, dass ich das neben dem Studium machen kann“, sagt er. Dann aber wurde die Kneipe so erfolgreich, dass er sein Studium nach zweieinhalb Jahren ohne Abschluss beendete. Heute hat er neben der Hahnenknooper Mühle auch das Charlys in der Wallstraße. Auch wenn er sich nicht mehr mit der Planung von Häusern beschäftigt, war das Studium trotzdem nicht umsonst. „Bei Umbauten ist das Wissen schon hilfreich“, sagt Baumann.

Sein Wissen kann man auch bei einigen Firmen ohne Universitätsabschluss unter Beweis stellen. Bei der Büfa Glas GmbH und Co. KG schaut man bei den Bewerbern nicht nur auf Abschlüsse und Noten, sondern auch auf soziale Kompetenzen. „Bei uns hat jeder eine Chance“, sagt Finanzchef Ralf Ramke. Natürlich hänge es von der Stelle ab, aber eine Einstellung ohne Abschluss sei kein Tabu.

Überforderung, fehlende Motivation oder persönliche Probleme: ganz verschiedene Gründe führen zum Abbruch, aber immer auch zum Beginn eines neuen Abschnittes.