Oldenburg - Uns geht es gut, nicht wahr? In einer Welt, in der nur diese eine Antwort möglich ist und jungen Leute eingetrichtert wird, ist nichts gut. George Orwell hat das in seiner weltberühmten Vision des totalitären Staates „1984“ zeitlos gültig beschrieben.
In der einstündigen Produktion „2081“ arbeiten Schülerinnen und Schüler einer Inklusionsklasse der IGS Helene-Lange-Schule, des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte und der Sprachlernklasse der BBS Haarentor mit den gleichen Bildern von Unterdrückung und Gleichschaltung, die Orwell verwendet hat. Mit der Gleichförmigkeit einer Maschine wiederholen sie die Formeln über das, was richtig und falsch ist, die sie im Erziehungsheim gelernt haben.
Wer dabei an die Auswüchse radikaler Filterblasen und Echokammern sozialer Medien unserer Tage denkt, liegt wohl nicht weit weg von Orwells Schreckensvision.
Gleichförmigkeit als Unterwerfung unter den Gruppenzwang in Schulen, Straßengangs oder anderen sozialen Gemeinschaften dürfte ein weiteres aktuelles Erfahrungsfeld junger Menschen sein.
Hanna Puka verfolgt zwei Anliegen mit dem jüngsten Projekt in der Reihe „Schule Spiel Theater“. Zum einen gehe es um einen künstlerischen Zugang zur Frage von Zukunft. Daneben bedeute es für die meisten Jugendlichen einen großen Schritt, sich auf der Bühne vor Publikum zu stellen, sagt die Leiterin der Theaterpädagogik des Oldenburgischen Staatstheaters. „Der Prozess ist mindestens so wichtig wie das künstlerische Ergebnis.“
In wöchentlichen Treffen haben sich die jungen Menschen ein halbes Jahr mit Theater-Leuten ausgetauscht und geprobt. „Ästhetische und kulturelle Bildung im Schulleben verankern“, beschreibt Hanna Puka das Ziel der Schulkooperation, die seit sechs Jahren in Oldenburg erfolgreich praktiziert wird.
Neben einer schulinternen Vorführung in der BBS ist zwar keine weitere Aufführung von „2081“ geplant. Dennoch dürfte auch dieses Projekt nachhaltig wirken, wie schon die Vorjahre gezeigt haben. „Es gelingt, den einen oder anderen Teilnehmer, der bislang keinen Zugang zum Theater hatte, für weitere Theaterprojekte zu interessieren“, berichtet Hanna Puka. Einzelne Schülerinnen und Schüler setzten nach Projektende ihre Mitarbeit in einer der Jugendtheatergruppen des Staatstheaters fort.
Als Glücksfall für Projekte wie „Schule, Spiel, Theater“ erweist sich die Exerzierhalle. Der Rahmen spricht auch Besucher an, die sich ins Große Haus des Staatstheaters nie wagen würden. Mit einfachen Mitteln gelingt es den Akteuren, Spannungsbögen zu entwickeln. Allein schon Effekte wie Licht und Ton wecken starke Stimmungen und schärfen die (Innen-)Wahrnehmung.
Bewegend ist der Beitrag von Teilnehmern des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte in Gebärdensprache. Den Zuhörer erreichen Botschaften, auch ohne dass er den Wortsinn im Einzelnen versteht. In ihrer Klarheit und Schlichtheit berührend sind die Wünsche junger Menschen für ihre Zukunft („fünf Kinder“, „arbeite als Ärztin“, „lebe auf dem Mond“) – zum Teil gedolmetscht von Mitschülerinnen und Mitschülern. Vor einer Zukunft, in der diese Theaterziele Wirklichkeit werden, muss sich niemand fürchten. Es wäre eine gute Zukunft. Wirklich.
