OLDENBURG - Vielleicht liegt es daran, dass Anita Koeppler in Italien aufgewachsen ist: Respekt und Toleranz anderen gegenüber lernte sie von klein auf. Die pensionierte Lehrerin ist überzeugt, dass Kinder diese Werte möglichst früh vermittelt bekommen sollten. Sie gehört zu jenen, die die Mediatorenausbildung im Oldenburger Fortbildungszentrum mit dessen früherem Leiter Wilm Renneberg angestoßen hatte. „Inzwischen hat beinahe jede Oldenburger Schule Mediatoren.“
Anita Koeppler wurde in Rom geboren und wuchs in Genua auf. Der Vater arbeitete vor dem Krieg für das Unternehmen Zeiss im Optik-Bereich. Da ihre Schwester an Kinderlähmung erkrankte, zog die Familie nach Kriegsende an die Nordsee wegen des Reizklimas. Während eines Praktikums bei Zeiss in Montreal lernte sie ihren Mann kennen, und so wurden aus den geplanten Monaten letztlich 13 Jahre, die sie in Kanada lebte.
Nach der Trennung von ihrem Mann kehrte sie mit drei Kindern nach Nordenham zurück. „Jammern und lamentieren kam für mich nie in Frage“, sagt sie. Sie studierte Psychologie und Erziehungswissenschaften in Oldenburg. Später unterrichtete sie an der Fachschule für Sozialpädagogik, ließ sich aber vorzeitig pensionieren, um Straßenkindern in Brasilien zu helfen.
Im Auftrag der Vechtaer Kinderhilfe Brasilien reiste sie 1998 zum ersten Mal nach Südamerika, um eine Kindertagesstätte für die Ärmsten der Armen in Faxinal/Paraná aufzubauen und auf die Selbstverwaltung vorzubereiten. „Hilfe zur Selbsthilfe eben“, erläutert sie. Ein Jahr lebte sie dort. 150 Kinder kamen täglich. Fünf weitere Jahre lang reiste sie jährlich dorthin. Über ihre Erfahrungen, die keineswegs nur positiv waren, hat sie ein Buch verfasst, das im Agenda-Verlag erschienen ist und „Die humanitäre Illusion“ heißt (NWZ berichtete). Ihr gelang es auch, über das Lateinamerika-Zentrum in Bonn den Bau einer Berufsschule dort zu finanzieren. Die Kindertagesstätte ist inzwischen leider zur Ruine verkommen.
Nach der Rückkehr nach Oldenburg erschienen ihr die Probleme in Deutschland als „Jammern auf hohem Niveau“. Allerdings machte ihr die Gewalt unter Kindern und Jugendlichen Sorgen. Bei ihren Recherchen erfuhr sie, dass es in Hessen eine Mediatorenausbildung für Lehrer gibt, für die sie sich anmeldete. Anschließend fragte sie bei der Bezirksregierung nach, warum es das bei uns nicht gebe. So begann ihr Engagement für die Mediatorenausbildung in Oldenburg, dem sie bis heute treu geblieben ist.
