OLDENBURG - Noch weiß kaum einer so ganz genau, was Inklusion bedeutet. Klar ist nur: Sie wird kommen – und zwar schon bald, das zeigte der jüngste Schulausschuss.
Doch zunächst zur Bedeutung, die gemäß UN-Konvention auf eine (neue) Grundeinstellung abzielt: Inklusion betrachtet die Unterschiedlichkeit der Menschen von vorneherein als normal und unterteilt daher gar nicht erst. Den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Menschen soll gleichermaßen Rechnung getragen werden und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für alle verbessert werden. Das führt im Schulsystem dazu, dass Kinder, die sonst eine Förderschule besucht hätten, auf Wunsch künftig im regulären System beschult werden.
Den Fahrplan dafür skizzierte Dr. Holger Lindemann vom Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik der Universität Oldenburg im Ausschuss: „Ab 2013 müssen sich die Grundschulen darauf einstellen, dass Schüler aus dem Förderschwerpunkt Lernen – dem größten aller Förderschwerpunkte – an ihre Schulen kommen.“ Alle anderen Förderschulen liefen nicht aus, sondern könnten weitergeführt werden, hier komme es auf den Wunsch der Eltern an. Ab 2019 sollen dann sämtliche Schulen Schüler für alle Förderschwerpunkte aufnehmen. Die ersten weiterführenden Schulen sollen sich als Pilotschulen ab 2013/14 dafür öffnen. In einer Arbeitsgruppe Inklusion mit Vertretern aller Schulformen bereitet die Verwaltung die Umsetzung vor.
In der Stadt werden derzeit etwa 300 Schüler in Förderschulen beschult, so das Schulamt. Ab 2013 sollen zunächst drei bis vier Grundschulen, ein Gymnasium, eine Oberschule und alle drei IGSen inklusiv betrieben werden.
In Bremen wählten im ersten Jahr 60 Prozent der betroffenen Eltern den neuen Weg, im zweiten Jahr noch 40 Prozent, weil sie von der Ausstattung noch nicht überzeugt waren, so die Stadt.
