OLDENBURG - Wird die Güte des Studiengangs Technik an der Universität Oldenburg aufs Spiel gesetzt? Tatsache ist, dass sich Lehrende und Lernende in diesem Bereich ernsthafte Sorgen darüber machen. Und das, obwohl das Fach gefragt ist und Lehrer dringend gebraucht werden, die zum Beispiel Realschüler und -schülerinnen für Technik begeistern.

Am Mittwoch waren die FDP-Landtagsabgeordneten Christian Dürr und Björn Försterling an der Universität zu Gast, um sich über die Situation zu informieren. Prof. Dr. Gert Reich vom Institut für Physik/Technische Bildung: „Wir sind besonders schlecht ausgestattet, bei einer Aus- bzw. Überlastung von 168 Prozent. Wir stehen kurz vor dem Crash, ich rechne damit, dass der Zug im Sommersemester 2011 mit lautem Knall vor die Wand fährt.“ Obwohl es „politisch gewollt ist und objektiv notwendig erscheint, Techniklehrerinnen und -lehrer verstärkt auszubilden“, finde der Bereich an der Universität kaum Gehör. Richtig sei zwar, dass die Uni den Studiengang nicht einstellen wolle. Er werde aus Reichs Sicht aber eingedampft. Mit einer reduzierten Ausstattung könne er im nächsten Semester das Pflichtangebot nicht abdecken. Der Landesbedarf an Lehrkräften könne so nicht erfüllt werden. Auch eine Verlagerung der Werkstätten werde befürchtet.

Der Hintergrund aus Reichs Sicht: „Für die Lehrerausbildung gibt es keine Drittmittel, dieser Zweig kostet Geld, bringt aber keins ein, deshalb wird da gespart.“ Dabei ruhe die landesweite Ausbildung in Technischer Bildung weitestgehend auf Oldenburg. Und genau hier werde jetzt ins Risiko gegangen. Dabei sei klar, dass nur gut ausgebildete Techniklehrer den dringend erforderlichen Nachwuchs sicherstellen könnten. Der Mangel an Lehrkräften für Naturwissenschaften und Technik sei „ein hausgemachtes Problem forschungslastiger Universitäten, die die Lehrerbildung mehr erdulden als fördern“.

Der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Dürr sagte im Anschluss: „Die, die hier als Lehrer rausgehen, können das direkt in der Schule umsetzen. Das Ministerium hat den entsprechenden Bedarf formuliert. Da hier sehr gute Arbeit gemacht wird, müssen wir sehen, dass das hier in dieser Form erhalten bleibt. Darüber muss mit der Universität gesprochen werden.“

Die Universitäts-Vizepräsidentin Gunilla Budde unterstrich unterdessen, dass die Universität den Studiengang „in keinster Weise“ einstellen wolle, „auch nicht auf Dauer“. Im Wintersemester 2011/2012 solle hier eine W3-Professur besetzt werden. Reich, der selbst 2012 in Pension geht, kritisierte, dass die Ausschreibung zudem für diesen Zeitplan zu spät komme.

Weil die ausreichende Sicherung des Techniklehrerbedarfs ein landesweites Thema sei, kämen im Anschluss auch CDU-Landespolitiker nach Oldenburg, kündigte der Hochschuldozent an.

Technik an der Universität Oldenburg bildet Studentinnen und Studenten für das Fach Technik an allgemein bildenden Schulen aus (im Sommersemester wurden 278 Studierende betreut). Die Absolventen werden in der Grundschule (Technik im Sachunterricht), in der Hauptschule, in der Realschule und in der Förderschule eingesetzt.

ist die Technische Bildung in der Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften engagiert, betreibt Projekte und Forschungsvorhaben und trainiert in CAD-Technik.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg