OLDENBURG - Die Kontroverse um das Vertriebenendenkmal geht weiter: Kritik am Entwurf der Künstlerin Insa Winkler kommt nun von Wissenschaftlern der Universität Oldenburg. Ein entsprechendes Schreiben wurde an den Rat der Stadt geschickt. Das von einer Jury ausgewählte Kunstwerk sei nicht geeignet, heißt es darin, „der Komplexität der Geschichte von Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges gerecht zu werden“.
Unterschrieben haben den Brief alle Mitglieder des Instituts für Geschichte sowie des Instituts für Evangelische Theologie und Religionspädagogik. In der Begründung führt Professorin Gunilla Budde als Institutsdirektorin aus, dass eine der zentralen Forderungen des Ratsbeschlusses nicht eingelöst werde: Vielmehr blieben der historische Kontext von Flucht und Vertreibung, die Vorgeschichte, Ursachen und Gründe ausgeblendet.
Den Historikern fehlt eine differenzierte Sichtweise, etwa bei der Thematik Heimat. Sie vermissen überdies einen Verweis auf den „vorangegangenen deutschen Vernichtungskrieg als Vorbedingung der Vertreibung“. Dieser Bezug ist in ihren Augen für ein angemessenes Gedenken absolut notwendig. Die Wurzel-Metapher wird von den Wissenschaftlern als bedenkliche, naturhaft-organische Betrachtung kritisiert.
Auch die Theologen vermissen in Winklers Entwurf die Einbettung in den historischen Kontext. „Gründe für die Vertreibung werden nicht thematisiert“, schreibt Professorin Ulrike Link-Wieczorek. Auch ihnen erscheint die Wurzel-Symbolik zu naturhaft-organisch, stattdessen müsse auf historische Zusammenhänge verwiesen werden.
Eine Jury hatte die Stahl-plastik der Huder Künstlerin Insa Winkler ausgewählt. In der Jury stimmten u.a. ab: Professor Ewald Gäßler, Dr. Idis Hartmann, Dr. Jutta Moster-Hoos, Martin Schumacher, Sara-Ruth Schumann und Günter Zimny.
Auch im Kulturausschuss, der an diesem Dienstag ab 17 Uhr im Stadtmuseum tagt, wird über das Vertriebenen-denkmal diskutiert. In dem Museum ist der Entwurf derzeit ausgestellt.
