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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Behindertenberatung feiert Jubiläum mit „lebendigen Büchern“

10.05.2019

Oldenburg Mit einem ganz besonderen Festakt hat das Studentenwerk Oldenburg das 20-jährige Bestehen der Behindertenberatung gefeiert. Wiebke Hendeß, die das Angebot für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung 1999 ins Leben gerufen hat und damit auch Dienstjubiläum feiert, hatte mit ihren Kollegen eine „lebendige Bibliothek“ organisiert. Die Besucher konnten neun „Bücher“ ausleihen und sich mit ihnen in eine Ecke des Studierenden-Service-Centers am Campus Haarentor zurückziehen. Als „Bücher“ hatten sich Studierende zur Verfügung gestellt, die über ihr Studium und ihr Leben mit einer Beeinträchtigung Auskunft gaben.

Im Fokus der Jubiläumsveranstaltung standen Menschen mit unsichtbaren Behinderungen, die einen immer größeren Anteil der Ratsuchenden ausmachen. Relativ häufig wenden sich etwa Betroffene mit AD(H)S, Autismus, chronischen Krankheiten wie Multiple Sklerose oder auch Teilleistungsstörungen wie Legasthenie an die Beratung.

Autisten berichten

Gleich drei „Bücher“ gaben über Autismus Auskunft und boten so Gelegenheit, Menschen mit dieser Diagnose von einer anderen Seite kennenzulernen. „Ich sage immer, was ich denke, das bringt mich manchmal in schwierige Situationen“, beschreibt Sonja Jakob (49), die trotz der zugesicherten Anonymität kein Problem damit hat, ihren Namen zu nennen. So komme es vor, dass sie in der Vorlesung per Zwischenruf den Dozenten korrigiert oder Mitstudenten zurechtweist. „Ich habe keinen Filter und spreche einfach aus, was ich im Kopf habe“, schildert sie ihr Verhalten, mit dem sie in so manchem Fettnäpfchen landet.

Wiebke Hendeß ist seit 20 Jahren Beraterin. Bild: Studentenwerk

Der 22 Jahre alte Tobias findet als „Buch“ mit Sehbehinderung vor allem lobende Worte für die Beratung. Der Pädagogik-Student hat eine Augenmuskelschwäche, die dazu führt, dass er nur sehr eingeschränkt lesen kann. „Nach ein paar Minuten verspringen die Zeilen, und ich muss aufhören.“ Mit Unterstützung der Behindertenberaterin hat er nicht nur finanzielle Förderung unter anderem für einen Laptop mit spezieller Vorlesesoftware bekommen, sie hat ihm auch geholfen, einen Nachteilsausgleich geltend zu machen. „Bei Prüfungen bekomme ich 25 Prozent mehr Zeit, die ich dann für Pausen nutze“, sagt Tobias. Die Beratung habe ihm „durch das Wirrwarr an Sozialträgern“ geholfen.

Bedarf nimmt zu

Zum Auftakt des Festaktes hatte Ted Thurner, Geschäftsführer des Studentenwerkes, betont, dass eine Beratung eigens für Menschen mit Behinderungen an Hochschulen keineswegs selbstverständlich sei. „Das ist durchaus etwas Besonderes, auf das wir stolz sind.“ Großen Dank und Anerkennung sprach er Wiebke Hendeß aus, die „hochengagiert und hochkompetent vielen Studierenden geholfen hat, das Studium zu bewältigen.“ Die Dienstjubilarin erinnert an das Jahr 1999, als noch gar nicht absehbar war, „wie groß der Beratungsbedarf sein wird.“ Daran besteht 20 Jahre später kein Zweifel mehr: Im Jahr 2018 hat Hendeß mehr als 600 Gespräche mit Studenten geführt.

Nach der „lebendigen Bibliothek“ diskutierte eine Expertenrunde über „Inklusion im Hochschulumfeld – Trends und Zukunftsperspektiven“. Dabei wurde deutlich, dass der Bedarf an Beratung und Nachteilsausgleich wächst, weil immer mehr Menschen mit nicht-sichtbaren Behinderungen zu ihrer Beeinträchtigungen stehen und Hilfe in Anspruch nehmen.

Appell an Studierende

Ein Zuhörer wies darauf hin, dass besser als der Ausgleich von Nachteilen im Einzelfall die Schaffung von barrierefreien Rahmenbedingungen für alle sei. Dazu gehöre beispielsweise eine gute Akustik in den Vorlesungssälen, von der nicht nur Studenten mit Hörbeeinträchtigung profitieren würden. Auch die flexiblere Gestaltung der Prüfungsmodalitäten, beispielsweise die Wahlmöglichkeit zwischen schriftlichen oder mündlichen Prüfungen, wäre für viele Studenten hilfreich. Um hier Veränderungen zu erreichen, appellierte Hendeß an die Studierenden, sich als Experten in eigener Sache einzubringen und Lobbyarbeit zu betreiben.

Gisela Degener vom Psychologischen Beratungs-Service (PBS) der Uni wies darauf hin, wie fatal es sei, dass eine Behinderung häufig immer noch gleichgesetzt werde mit „nicht intelligent“. Dadurch bleibe viel Potenzial unerkannt.


Mehr Infos unter   www.studentenwerk-oldenburg.de/behinderte 
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Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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