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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Statt Reagenzgläser kommen Tablets ins Labor

23.02.2018

Oldenburg Vorweg gibt es direkt eine schlechte Nachricht für die Besucher aus Bremen. Die Handys müssen weggesteckt werden. Es raunt in den Tischreihen. Einige Schüler schreiben noch verstohlen eine letzte Textnachricht. Dann kehrt gespannte Ruhe ein. 27 Schüler, 11. und 12. Klasse, schauen nach vorne. Dort steht Markus Allbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Oldenburg. Der Beamer vor ihm summt leise. „Heute brauchen wir nur unsere Tablets“, erklärt er der Gruppe. „Damit nichts unsere Experimente beeinflusst.“

Das ist das Konzept der neuen Einrichtung der Universität: Praktische Versuche und digitale Auswertung als neuer Unterrichtsweg für Wirtschaftswissenschaften. Seit Januar gibt es den Raum, der übergangsweise in einem kleinen Geschäftsgebäude in der Oldenburger Innenstadt eingerichtet ist. „Oldenburger Experimentallabor Ökonomische Bildung“ steht unten auf einem Schild, dahinter die Abkürzung OX. Eines der ersten seiner Art deutschlandweit – initiiert von Prof. Dirk Loerwald. Er ist Inhaber der Professur für Ökonomische Bildung an der Uni Oldenburg.

Das Labor: Ein Unterrichtsraum, in dem aus trockener Wirtschaftslehre sowohl für Schüler als auch für Lehrer spannende Experimente und Fragen mit Lerneffekt werden sollen. So wie diese, die Markus Allbauer den Schülern jetzt stellt: „Wenn der Musikstar Ed Sheeran auf Tour geht, wie viel wärt ihr bereit, für die Karte zu zahlen?“ Einige Schüler lachen überrascht. Was hat das mit Wirtschaftslehre zu tun?

Das ist der Effekt, den der 32-jährige Allbauer sich mit den Experimenten im Labor erhofft. „In diesem Fall geht es um den Themenkomplex Märkte. Angebot und Nachfrage“, erläutert er im Flüsterton. Im Hintergrund kreuzen die Schüler währenddessen in einer Liste an, welche Preise sie für die Konzertkarten bezahlen würden.

Zu wenig Karten

„Gleich werde ich erklären, dass es zu wenig Karten gibt für alle Schüler, die zum Konzert wollen. Dann erarbeiten wir gemeinsam, welche Arten von Markt es gibt und wie die Nachfrage die Preise bestimmt.“ Ein Programm im Tablet hilft dann bei der Auswertung und grafischen Darstellung der Ergebnisse.

Praktische Beispiele statt grauer, abstrakter Theorie. Ein naheliegendes Prinzip, das sich Generationen von Schülern aufs Neue wünschen und Schulen nicht immer beherzigen können. „In den naturwissenschaftlichen Didaktiken ist das Experimentieren gang und gäbe, aber in der ökonomischen Bildung noch nicht“, sagt Markus Allbauer. Das Experimentallabor des Instituts für Ökonomische Bildung (IÖB) soll diese Lücke ein Stück weit schließen. Und zwar auch an der Basis: auch Lehrer lernen hier in Aus- und Weiterbildungen die Möglichkeiten von Wirtschafts-Experimenten kennen. Das Programm ist Teil des Projekts „Biographieorientierte und phasenübergreifende Lehrerbildung in Oldenburg Plus“, kurz OLE+., das wiederum vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird – im Rahmen der bundesweiten „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“.

So kam auch diese Schulklasse der Bremer Schule am Leibnizplatz in die zweite Etage des Oldenburger Bürogebäudes. Ihr Lehrer war bereits auf einer Weiterbildung hier und erfuhr von der Möglichkeit, dass auch Schulklassen hier lernen können. Den Schülern gefällt der Ausflug.

Prinzip Wandertag

„Das ist mal was anderes als der Unterricht von vorne“, sagt Schülerin Seyneb. „Oft ist das ja auch nur rechnen. Hier werden wir alle mit eingebunden“, so ihr Urteil. Ähnlich sieht es auch Lehrer Julian Wilke, der die Schüler heute begleitet. „Experimente können wir selbst zwar auch bis zu einem gewissen Grad machen, aber die Arbeit mit Tablets und dem Auswertungsprogramm ist eine super Ergänzung“, sagt der 32-Jährige. Es gilt außerdem das Prinzip Wandertag: „Die Schüler kommen mal raus in ein anderes Umfeld, es fallen Störfaktoren wie Freunde und Pausenhof weg“, sagt Wilke. Die Aufmerksamkeit ist eine andere. Der Lerntag wird zu einem besonderen Erlebnis, das in Erinnerung bleibt.

Heute ist eine gymnasiale Oberstufe im Labor zu Gast, aber auch Realschüler und Hauptschüler können hier lernen. Wirtschaft ist Allgemeinwissen, sagt Markus Allbauer. „Es geht letztendlich ja auch darum, mündige Erwerbstätige und Konsumenten auszubilden, die Zusammenhänge und Hintergründe verstehen und entsprechend ihre Entscheidungen treffen können.“ Darum geht es auch in den Experimenten: Gerechte Verteilung, Produktion, Handel.

Die Experimente hat die Universität allerdings nicht alle selbst entwickelt, sie stammen von verschiedenen Wissenschaftlern aus aller Welt. Das Programm, mit dem die Ergebnisse im Labor bearbeitet und ausgewertet werden, stammt ebenfalls nicht aus Oldenburg, sondern aus Passau. Aber es kann überall genutzt werden, auch im Schulunterricht.

Das zweite Experiment beginnt. „Zwei Inseln produzieren Burgerbrötchen und Fleisch“, kündigt Allbauer die Aufgabe an, „die eine langsam, die andere schnell“. Die Heranwachsenden horchen auf, witzeln über Hunger und Burgerketten. Allbauer hätte auch sagen können, dass es jetzt um Handel und Produktionsmathematik geht. Aber das wäre ja nur dröger Unterricht.

Sharon Beatty
Redakteurin
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2051
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