OLDENBURG - Fachwissen reicht nicht mehr. Schüler müssen sich schnell neues Wissen aneignen können und ihre Persönlichkeit trainieren. Ein ganzes Kollegium büffelt neue Unterrichtsmethoden.
Von Karsten Röhr
Natürlich hat nicht jeder gleich Hurra geschrien. Die Schulleitung spricht von „Irritationen“ und „Verunsicherungen“. Aber jetzt machen alle mit: 106 Lehrer, das gesamte Kollegium der Berufsbildenden Schulen Wechloy (3200 Schüler) drückt noch einmal die Schulbank. Sie machen das sozusagen für einen guten Zweck: für besseren Unterricht, einen Unterricht, der die Schüler besser auf das Leben vorbereitet – fachlich, methodisch, persönlich und sozial. Gefragt ist solch umfassende Fitness etwa, wenn die BBS-Absolventen selbstständig Projekte in ihren Unternehmen bearbeiten müssen.
Das Fachwissen wurde schon vorher gut vermittelt, das haben die Schulinspektoren den Lehrern attestiert. Aber heute geht es auch „ums Arbeiten im Team, das Beherrschen von Methoden, um sich neues Wissen anzueignen“ – letztlich „die Fähigkeit, sich in der immer komplexer werdenden Welt orientieren zu können“, sagt Schulleiter Ernst Jünke.
Die Schüler hatten in einer Umfrage zur Schulqualität die hohe Fachkompetenz der Lehrer gelobt, ansonsten aber Verbesserungen eingefordert. Jünke: „Sie machten uns aufmerksam auf Defizite im Bereich der Verknüpfung von Theorie und Praxis, der Möglichkeiten des eigenständigen, aktiven Lernens und einer abwechslungsreichen Unterrichtsgestaltung.“
Alle Lehrer der BBS Wechloy stellen sich diesem „Nachholbedarf in der Unterrichtsqualität“, wie es einer von ihnen am Mittwoch ausdrückte – zum Auftakt ihrer neuen jährlichen Fortbildung. Jeder absolviert als Grundlage nun jedes Jahr zwei spezielle Fortbildungstage, vier bis fünf Jahre lang. Daneben werden die neuen Erkenntnisse gleich in die Praxis umgesetzt. Mehr als bisher werden die Lehrer – auch durch neue Methoden – den Schülern künftig helfen, effektiver mit Texten umzugehen, sich die Zeit einzuteilen, in Teams zu arbeiten, sich ihr Lernen selbst zu organisieren, angstfrei zu sprechen und zu argumentieren – einschließlich kleiner Rhetorikseminare.
Henry Petersen, selbst Lehrer in Emden und einer der fünf Unterrichtsentwickler, die das Lehrertraining übernommen haben, sagte am Mittwoch: „Das ist eine Riesenveränderung für die Lehrer. Sie müssen Schülerselbstständigkeit zulassen und sich selbst zurücknehmen. Eigentlich sind wir Lehrer die Macher, und jetzt sind die Schüler die Macher, und wir bestärken sie darin.“
