OLDENBURG - Hochachtung vor der Menschlichkeit und Anerkennung für die Kompetenz: Als einen Mediziner, für den das Wohl des Patienten immer an erster Stelle stand, würdigten am Freitag alle Redner Professor Dr. Gert-Hinrich Reil. Der Klinikdirektor für Kardiologie am Klinikum wurde vor mehr als 200 Gästen nach 19 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Geschäftsfüherer Rudolf Mintrop und Aufsichtsratsvorsitzender Berndt Zabel zeigten Reils Verdienst am Aufbau des überregionalen Herzzentrums in Weser-Ems auf, das den Ruf des Oberzentrums-Krankenhauses maßgeblich mitgeprägt habe. Außer den exzellenten fachlichen Leistungen bescheinigten sie ihm aber auch das Charisma eines „Menschenfischers“ (Mintrop).
Reil, in Stralsund geboren und im Nordwesten aufgewachsen, studierte u.a. in Innsbruck und Kiel, absolvierte seine Assistenzzeit in Wilhelmshaven und Hamburg. Er widmete sich zunächst der Pharmakologie in Kiel und wechselte dann an die Medizinische Hochschule in Hannover, wo er bereits als gesuchter Spezialist für Herzkatheteruntersuchungen von sich reden machte. „Vom Labortisch zog es ihn dann aber doch stärker ans Patientenbett“, wie es Professor Dr. Andreas Weyland, Medizinischer Direktor, in seinem Rückblick würdigte. Als Reil 1989 nach Oldenburg kam, baute er das Herzkatheterlabor auf und steigerte die Zahl der Herzkatheteruntersuchungen von 0 auf 1000 und holte damit den Vorsprung Bremens ein. Inzwischen hat sich die Zahl vervierfacht. Anrührende Ansprachen von Patienten verliehen der Feier eine besondere Note.
Viele Dankesworte und Blumen gab es für Ehefrau Dr. Telsche Reil, die ihrem Mann immer den Rücken freigehalten hatte. Reil sieht es als großen Glücksfall, von so vielen geschätzt zu werden. Zeilen aus Hermann Hesses Gedicht „Stufen” symbolisieren für ihn den Ruhestandsbeginn: „Jedem Abschied wohnt ein Zauber inne.”
Seinem Nachfolger wünschte er viel Erfolg. Professor Dr. Albrecht Elsässer (45) kommt von der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim.
