Oldenburg - Die Versuche mit Rotkehlchen, die eine Forschergruppe an der Universität Oldenburg unternimmt, haben eine Diskussion ausgelöst. Während Tierschützer die Versuche verurteilen, sieht sich die Forschergruppe zu Unrecht in der Kritik.
Was sagen die Tierschützer?
Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hält die Versuche für ethisch verwerflich und hat eine Online-Petition gestartet, mit der er den Stopp der Experimente fordert. „In einem einzelnen Versuch mussten 92 Rotkehlchen leiden. In einem anderen Versuchsprojekt wurden 40 Rotkehlchen geköpft“, heißt es in der Erklärung des Vereins zur Petition. „Sicher ist es interessant, herauszufinden, wie Zugvögel navigieren“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende des Vereins. „Die Erforschung des Zugverhaltens ist aber auch möglich, ohne den Tieren dabei Schaden zuzufügen.“ Die durch die Versuche gewonnenen Erkenntnisse würden das Leid der Tiere auf keinen Fall rechtfertigen, so Gericke.
Was sagen die Forscher?
Die Arbeitsgruppe „Neurosensorik“ an der Uni, in der die Untersuchungen an den Rotkehlchen durchgeführt werden, weist die Kritik des Vereins zurück. „Unsere Arbeit hat weltweit anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse hervorgebracht“, betont Prof. Dr. Henrik Mouritsen, der die Gruppe leitet. „So haben wir herausgefunden, dass der Magnetsinn von Vögeln auf quantenchemischen Prozessen beruht. Diese Erkenntnisse können zur Weiterentwicklung magnetischer Sensoren beitragen.“
Lesen Sie auch : Oldenburger Forscher töten Rotkehlchen (Plus-Artikel)
Auch dienten die Forschungsarbeiten dem Schutz bedrohter Zugvogelarten, etwa beim Umsiedeln aus bedrohten Brut- oder Wintergebieten. „Solche Umsiedlungen sind äußerst schwierig, da die Zugvögel immer wieder in die gewohnten Gebiete zurückkehren. Nur wenn wir verstehen, wie sie sich orientieren, können wir ihre Navigation ’austricksen’ und solchen Projekten zum Erfolg verhelfen. Wir konnten zudem nachweisen, dass Elektrosmog die Orientierung der Vögel stört“, so Mouritsen.
Die Zahl der für Versuche getöteten Rotkehlchen gibt Mouritsen mit durchschnittlich 28 pro Jahr an. Diese Zahl solle kontinuierlich gesenkt werden. Dafür seien zum Beispiel Zellkulturen entwickelt worden, welche die magnetosensorischen Moleküle produzieren, die in Vögeln vorkommen. Im vergangenen Jahr seien 16 Rotkehlchen getötet worden. „Für uns steht dies in einem ethisch vertretbaren Verhältnis“, sagt der Wissenschaftler. Hingegen müsse jeder Besitzer einer der insgesamt sechs Millionen freilaufenden Hauskatzen in Deutschland damit rechnen, dass allein sein Tier pro Jahr 25 bis 50 Wildvögel tötet.
