Oldenburg - Der Frühling lädt zum Kräutersammeln ein, an jeder Ecke wachsen die Pflanzen. Nicht selten verbirgt sich auch hinter einem vermeintlichen Unkraut ein wahres Heilmittel. So ist beispielsweise der Giersch Fluch und Segen zugleich. Im Garten wuchert er aufgrund seiner unterirdischen Triebe überall. Er ist kaum zu bändigen – zur Freude von Kräuterkundigen, zum Ärger der Gärtner. Giersch ist ein uraltes Wildkraut mit entzündungshemmender Wirkung und zudem vier Mal reicher an Vitaminen als eine Zitrone.
Geheimnisse der Natur
Dieses und viele weitere Geheimnisse der Natur, Tipps und Tricks zur Pflanzzeit, Verarbeitung sowie Zubereitung von Kräutern lernen Auszubildende bei der Landwirtschaftskammer an sieben Tagen mit jeweils acht Stunden kennen. Organisatorin und Referentin Christine Strodthoff-Schneider hat für die Kräuterausbildung ein abwechslungsreiches Programm gestaltet. Bei der Landwirtschaftskammer ist der Kurs unter der Bezeichnung „Grüner Schneeball“ zu finden. Die Teilnehmer erzeugen vielseitige Wildkräuterprodukte, machen eine Kräuterwanderung und besichtigen einen Kräuterbetrieb. Unter Anleitung der Heilpraktikerin Tanja Michaela Meyer stellen sie in der dritten Unterrichtseinheit Kräutersalz, Badepralinen mit Kräutern, Pesto und Kräuter - Zahnputzpulver her.
Frühlingsfrischer Duft
Für das Kräutersalz werden Brennnessel, Gänseblümchen, Knoblauchrauke, Gundelrebe oder Giersch zerkleinert und zusammen mit Meersalz im Mörser zerstoßen. Ein frühlingsfrischer Duft erfüllt den Raum. „Ich finde es toll, die Natur durch den Umgang mit Kräutern noch mehr schätzen zu lernen. Das möchte ich auch meinen Kindern nahe bringen“, schwärmt die Teilnehmerin Sandra Mordhorst. „Der Kurs ist schön ganzheitlich und deckt alle Themen ab, die mich interessieren“, legt der Imker Claus Bredehorn nach. Er sei durch seine Bienen auf die wohlschmeckenden Pflanzen gekommen. Wacholder und Rosmarin seien jetzt nicht mehr aus seiner Küche wegzudenken. Er ist sogar so begeistert, dass er sich sofort im heimischen Garten eine eigene Kräuterspirale angelegt hat.
„Wenn Sie keinen Kräutergarten haben, gehen Sie am besten auf eine abgelegene Wiese“, rät die Heilpraktikerin. Keine guten Sammelstellen seien dagegen stark befahrene Straßen und bekannte Spazierwege. Hinterlassenschaften von Hunden oder Abgase von Autos seien nicht die leckerste Gewürznote. Als weiteren Tipp empfiehlt Tanja Michaela Meyer, immer die jungen Blätter zu pflücken und sie lieber zu schütteln, anstatt zu waschen. Das sei besser für den Geschmack.
Für den Kurs braucht es keine Voraussetzungen, außer der Anschaffung eines Bestimmungsbuches für Kräuter. Denn einige hochgiftige Pflanzen sehen ungefährlichen Artgenossen zum Verwechseln ähnlich. Der gefleckte Schierling zum Beispiel gehört zu den giftigsten einheimischen Pflanzenarten. Er kann leicht mit der Schafgarbe, dem Wiesenkerbel oder auch mit Kümmelpflanzen verwechselt werden. Eine falsche Bestimmung kann schwere Folgen haben. Die erfahrenere Christine Kathmann passt immer gut auf, dass sie nur Pflanzen pflückt, bei denen sie sich hundertprozentig sicher ist. Sie nimmt schon zum zweiten Mal teil: „Ich bin hier, um mein Wissen zu festigen und weil es einfach Spaß macht, mit Kräutern zu experimentieren.“ Das Interesse scheint bei vielen Menschen geweckt, denn für die nächste Ausbildung im Frühjahr 2019 sind schon die ersten Anmeldungen eingegangen. Leiterin Christine Strodthoff-Schneider bietet auch noch einen Aufbaukurs im September 2018 an.
Inhalte angepasst
Die Inhalte werden der Jahreszeit entsprechend angepasst. Deshalb wird sich der Kurs Ende des Jahres mehr um Pilze und Herbstkräuter drehen. Christine Strodthoff-Schneider ist es wichtig, dass die Teilnehmer selbst mitwirken und nicht nur Theorie lernen. Sie selbst habe durch die eigens organisierten Lehrgänge zur Natur zurückgefunden. „Wir haben alles vor der Tür. Ich finde es so spannend, dass zum Beispiel eine Brennnesselkur wie ein innerer Hausputz wirkt. Die unscheinbarsten Pflanzen können – richtig kombiniert – zu einem wahren Geschmackserlebnis führen. Außerdem gehe ich jetzt ganz anders durch die Landschaft. Überall entdecke ich nun leckere Zutaten“, berichtet Christiane Strodthoff-Schneider begeistert.
Diese Faszination steckt an – Wildkräuterzeit ist übrigens jetzt!
