OLLENER MOOR - Es ist eine Mischung aus Abenteuerlust, Aufbruchstimmung und Respekt, die Lisa-Luise Hölter in diesen Tagen empfindet. Zum einen freut sie sich auf einen einjährigen Aufenthalt in Indien, zum anderen weiß sie nicht genau, was auf sie zukommt. „Ich bin total gespannt“, sagt sie gut fünf Wochen vor ihrem Aufbruch nach Kolar Gold Fields auf dem indischen Subkontinent Anfang September.

Die 19-Jährige aus Ollener Moor hat sich entschieden, ein Freiwilligenjahr in dem Projekt „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) abzuleisten. Sie wird in einem Projekt in Kolar Gold Fields arbeiten. 140 000 Einwohner wohnen in der Stadt, die gut 100 Kilometer östlich von Bengalore auf einer Hochebene liegt – etwa 10 000 Kilometer von Lina-Luises Heimat entfernt.

„Den Wunsch, irgendwann mal ins Ausland zu gehen und mit Kindern zu arbeiten, hege ich schon seit meinem neunten Lebensjahr“, erinnert sich die junge Frau, die vor kurzem in Brake ihr Abitur ablegte. „Ich habe aber immer von Afrika geträumt“, gesteht sie. Dass es nun nicht mit Afrika geklappt hat, stimmt sie nicht traurig. Auch in Indien wird sie sich ihren Traum erfüllen können.

Lina-Luise Hölter wird in einer Schule als Assistenzlehrerin arbeiten. Erste Kenntnisse hat sie sich in den vergangenen fünf Wochen während eines Praktikums in der Grundschule Berne angeeignet. Zudem wird sie tatkräftig mithelfen müssen, die baufällige Schule zu renovieren. „Das macht nichts“, gibt sie sich offen.

Die junge Frau hat sich bei verschiedenen Organisationen für den Auslandsaufenthalt beworben. Letztlich fährt sie mit „Jugend im Ausland“ nach Indien. Zehn Tage lang wurde sie auf den Aufenthalt vorbereitet, mit der Mentalität der Bewohner und deren Gewohnheiten vertraut gemacht. Auch indisches Essen gab es. Hier wird sie sich umstellen müssen, denn eigentlich gehört Reis nicht zu ihren Lieblingsnahrungsmitteln.

Befürchtungen, von Heimweh geplagt zu werden, hat sie nicht. „Zwei Mitstreiterinnen habe ich auf dem Lehrgang kennengelernt, die mit mir anreisen und in dem gleichen Projekt arbeiten“, erzählt sie. Ihr wurde aber auch empfohlen, keine zu großen Erwartungen zu haben. Diesem Rat will sie folgen. Dennoch rechnet sie damit, einen „Kulturschock“ zu bekommen, wenn sie erst einmal an ihrer Wirkungsstätte angekommen ist, denn viele dort leben an der Armutsgrenze. Und sie weiß, dass sie als hellhäutige Frau die Aufmerksamkeit der Einheimischen auf sich ziehen wird. „Daran werde ich mich auch gewöhnen“, gibt sie sich optimistisch.

Wohnen wird sie mit den anderen Freiwilligen auf dem Grundstück des Projektleiters Prabhu Kumar, einem Inder. Von hier aus wird sie versuchen, Hilfe am Nächsten zu leisten, sich einzubringen, den Kindern zu helfen und viele Erfahrungen für ihr zukünftiges Leben zu sammeln.

Lisa-Luise Hölter wird in den kommenden Wochen Abschied nehmen: Abschied von Freund, Familie und Freundinnen, um sich dann ihren großen Traum zu erfüllen – Menschen auf einem anderen Kontinent zu helfen.