Friesoythe - Eine junge Frau steht auf der Bühne des Forums am Hansaplatz und erzählt aus ihrem Leben. Sie lacht, wirft den Kopf hin und her, läuft ein wenig vor und zurück. Ihr Publikum – die Schüler der Albertus-Magnus-Gymnasiums – hört ihr gespannt zu. Immer wieder lachen sie mit der dunkelhaarigen Frau, die mit ihrer Ausstrahlung die Zuhörer in ihren Bann zieht. Doch was Sabatina James erzählt, ist eigentlich nicht witzig. Es ist traurig und tief erschütternd. Die 30-jährige gebürtige Pakistanerin wurde von ihrer Familie zwangsverheiratet.

Mit ihrer Organisation Sabatina will sie andere Frauen in Deutschland vor diesem Schicksal bewahren. Die Schülervertretung des Albertus-Magnus-Gymnasiums hat sich entschieden, den Erlös des diesjährigen Sternmarschs diesem Verein zugute kommen zu lassen. Am Montagvormittag hatten sie daher Sabatina James nach Friesoythe eingeladen, damit die Frau den Schülern selbst erzählt, was ihre Organisation macht und warum ihre eigene Geschichte darin ein so große Rolle spielt.

Sabatina James wurde in Pakistan geboren und zog mit ihren Eltern im Kindesalter nach Österreich. Diese waren zwar integrierte Gastarbeiter, dennoch gehörte Gewalt zu James’ Alltag. „Ich führte ein Doppelleben. Zuhause das brave muslimische Mädchen und in der Schule passte ich mich dem Westen an“, erzählt James. Eine Reise nach Pakistan beendete dieses Leben, denn dort wurde ihr gesagt, sie müsse ihren Cousin heiraten. „Als ich nicht wollte, ließ mich mein Vater in Pakistan zurück. Meine Eltern planten, dass ich ein gutes, pakistanisches Mädchen werden sollte“, so James. Sie ließ sich auf eine Verlobung ein, denn nur dadurch konnte sie zurück nach Österreich. Hinter ihrem Rücken unterzeichnete aber ihr Vater auch ihre Heiratsurkunde, „die sogenannte Handschuh-Ehe.“ Sie floh vor ihrer Familie und konvertierte zum Christentum. „Als mein Vater davon erfuhr, sprach er mein Todesurteil aus“, sagt James. Heute lebt die 30-Jährige in einem Opferschutz-Programm und darf kaum ohne Polizeischutz raus.

Diese Geschichte bewegte auch die Schülervertretung. „Zwangsheirat ist ein krasses Thema“, sagt Stephan Wester. „Außerdem geht es Jugendliche in unserem Alter an. Viele wissen auch nicht, dass es das in Deutschland gibt“, sagt Klara Holzenkamp. „Es ging uns bei der Entscheidung für dieses Projekt nicht nur um die Spende, sondern auch um die Bekanntmachung dieses Problems auch in Deutschland“, so Nastasja Bührmann.

Das gesammelte Geld, das die AMG-Schüler am 15. November beim jährlichen Sternmarsch der Schule einnehmen, soll eine Wohngemeinschaft des Vereins unterstützen. 2006 gründete Sabatina James den Verein und kämpft seitdem für Frauen in Deutschland, denen die Zwangsehe in ihren Heimatländern droht. Mittlerweile gibt es auch ein Gesetz, das Zwangsehen in Deutschland verbietet. „Aber es ist sehr schwierig das nachzuweisen“, so James. Auch der Opferschutz sei noch mangelhaft.

Die jungen Frauen seien zudem in einer Zwickmühle: Entweder sie geben ihre Freiheit auf oder ihre Familie. „Viele entscheiden sich für die Zwangsehe anstatt ihre Familie zu verlieren“, sagt James. Die Suizidrate bei jungen Musliminnen sei auch doppelt so hoch als bei gleichaltrigen Nicht-Muslimen.