Ovelgönne/Brake - Zunächst war die Freude groß –nach langen Wochen der Schulschließungen und des gesellschaftlichen Stillstandes, gab es mit der schrittweisen Rückkehr der Schülerinnen und Schüler in den Präsenzunterricht in der Paddstock-Schule endlich wieder etwas „Normalität“. Doch schnell kam die Ernüchterung: Auch das Schulleben der kleinen Förderschule in der Wesermarsch hatte sich durch die Corona-Pandemie verändert, berichtet Schulleiter Peter Steffens.

Noch kleinere Lerngruppen mit maximal vier Schülerinnen und Schülern in einem Raum und auch zeitversetzte Pausen sorgen für deutlich mehr Ruhe. Besonders vermissen die Schülerinnen und Schüler jedoch das vielfältige außerschulische Programm in sämtlichen Klassenjahrgängen mit Besuchen von Tier-, Kletter- und Badeparks, naturkundlichen Exkursionen und vielen Sportangeboten.

Schulleiter Peter Steffens freute sich umso mehr, dass mit der Wiederaufnahme der AG „Reiten“ nun ein erstes Highlight im Stundenplan der Paddstock-Schule in den schulischen Alltag zurückkehrte. Natürlich musste zunächst sichergestellt werden, dass die aktuellen Anforderungen des Infektionsschutzes auch in dieser offenen schulischen Situation erfüllt sind.

Die Leiterin des benachbarten Reiterhofes, Imke Witte, legte schon sehr frühzeitig ein überzeugendes Hygienekonzept vor. Die Paddstock-Schule reduzierte auch hier die vorherige Gruppengröße auf nun maximal drei Teilnehmer pro Veranstaltung.

Imke Witte beschreibt ihre besondere Motivation, den Förderschülern der Paddstock-Schule auf ihrem Hof den Umgang mit den Pferden zu ermöglichen: „Bislang geht jede und jeder der Schülerinnen und Schüler gestärkt aus einer Reitstunde heraus, denn sie bekommen durch die Pferde ganz natürliche Anerkennung. Die Pferde vermitteln den Kindern eine Ruhe, die ihnen – gerade aktuell noch mal verschärft – häufig abhandenkommt.“ Auf dieser Basis schaffen es auch die Schülerinnen und Schüler einer Förderschule, den Pferden mit Respekt und Empathie entgegenzutreten, was ihnen im zwischenmenschlichen Kontakt oftmals nicht gut gelingt.

Jede Phase einer Reitstunde fördere dies in besonderer Weise – und das ohne viele Worte: Das Putzen der Ponys dient der Beziehungsaufnahme zum Tier. Hier werden zunächst Berührungsängste abgebaut und eine Beziehung zum Tier aufgebaut. Beim Führen der Ponys erkennen die Kinder die Bedürfnisse der Tiere, lernen, auf diese Bedürfnisse zu achten und die Tiere auf dieser Grundlage zu lenken.

Die Wahrnehmung des eigenen Körpers hinsichtlich Koordination, Motorik und Gleichgewicht steht dann beim Reiten im Vordergrund, erläutert Imke Witte. „Es ist den Gesichtern wie der Körperhaltung der Kinder anzusehen, dass sie alle mit verstärktem Selbstbewusstsein und gewachsenem Stolz über ihren eigenen erfolgreichen Umgang mit dem Pferd aus der Reitstunde hinausgehen“, sagt Imke Witte.

Peter Steffens genügte deshalb ein kurzer Besuch bei der AG auf dem Reiterhof Witte, um zu der Erkenntnis zu kommen: „Auch für die älteren Schülerinnen und Schüler unserer Förderschule am Schulstandort Brake sollten wir dieses AG-Angebot einrichten. Der positive Einfluss der Pferde auf die Gemüter der Menschen – da kann sich keiner entziehen – egal welcher Altersstufe.“