Petersdorf - Sterben, Tod, und Trauer: Drei Tage lang seit Ende der Herbstferien haben sich Viertklässler der Grundschule Petersdorf mit diesen Themen befasst. Viele Fragen der Mädchen und Jungen wurden geklärt. Zum Abschluss des Projektes am Donnerstagmorgen tauschten sie selbst bemalte und beschriftete Steine, die ihnen Trost spenden sollen in der Not.
„Den Tod aus der Tabuzone zu holen“, das sei das Ansinnen des Projektes „Gib mir etwas Sicherheit“, mit dem die Mitarbeiter des Ambulanten Hospizdienstes der Malteser Friesoythe seit mittlerweile fünf Jahren Schulen besuchen. Im Durchschnitt seien es zwei Schulen im Jahr, berichtet Projektleiterin Marlies Steenken. Sie wünscht sich mehr Resonanz auf das Angebot, vor allem von Schulen aus dem Saterland und aus Barßel.
Das Projekt richtet sich an Kinder der 3. und 4. Klasse. Drei bis fünf ehrenamtliche Hospizmitarbeiter besuchen für drei Tage gemeinsam als Team eine Schulklasse. Die Projektwoche hat an jedem Tag einen neuen Themenschwerpunkt. 1. Tag: Werden und Vergehen – Wandlungserfahrungen, Krankheit und Leid; 2. Tag: Sterben und Tod; 3. Tag: Trost und Trösten. Mehr Infos gibt es bei Hospizkoordinatorin Marlies Steenken unter
Einem Kind sei in diesem Projekt erstmals der Rahmen geboten worden, über seinen Verlust zu sprechen und zu weinen, sagt Steenken, die sich für einen „unbeschwerten Umgang“ bei diesen Themen einsetzt. Denn Eltern versuchten häufig, das Thema aus – falsch verstandenem – Schutz vor ihren Kindern fernzuhalten. Sie werden nicht mit zu Beerdigungen genommen, Krankheiten werden ihnen vorenthalten. Selbst an diesem Projekt hätten Kinder an anderen Schulen nicht teilnehmen durften. Nicht so in Petersdorf.
Ganz offen über ihre Gefühle sprechen konnten die Kinder in den Stunden mit Steeken sowie den ehrenamtlichen Hospizbegleiterinnen Andrea Schwantje, Margot Ohms und Silke Bührmann.
Kinder machten dabei die Erfahrung, dass sie nicht alleine sind in dieser Situation, dass Mitschüler ganz ähnliche Dinge erlebt haben, berichtet Steeken. Das stärke nicht nur die Kinder selbst, sondern auch die Klassengemeinschaft und den Umgang miteinander, beschreibt Steenken. So trösteten sie sich gegenseitig und kümmerten sich um einander. Vorab waren Klassenregeln festgelegt worden. Die besagten etwa, dass alles, was im Klassenraum besprochen wurde, nicht weitererzählt wird. Klar ist auch: Niemand wird ausgelacht für das, was er erzählt.
Rituale, Geschichten, Spiele, Filme und Gespräche begleiteten die Schülerinnen und Schüler während der drei Projekttage. Die Natur bietet das plastische Beispiel für Werden, Wachsen und Vergehen. Die Hospizdienst-Mitarbeiterinnen berichteten auch über ihre Arbeit, um dafür zu sensibilisieren.
„Wir haben auch von Eltern viele positive Rückmeldungen erhalten“, sagt Marlies Steeken.
