Bergedorf - Sie gehen gleich mit Feuereifer zur Sache, die fünf Kinder auf dem Fußboden. Kabel werden abgekniffen, Büroklammern verbunden und Alufolie ausgebreitet. „Mit einfachen Mitteln entsteht eine Alarmanlage“, sagt Andrea Terbrack. Die Erzieherin und Begabtenpädagogin hat im September 2008 den Kindertreff „Pfiffikuss“ in Bergedorf gegründet. Inzwischen gibt es sechs Gruppen mit bis zu acht Kindern. Die Kinder im Alter von vier bis zehn Jahren treffen sich hier pro Woche für 90 Minuten, um gemeinsam zu forschen und zu entdecken.
Während ihrer langen Berufstätigkeit, unter anderem als Leiterin eines heilpädagogischen Heimes für Kinder, hat die 56-jährige Bergedorferin oft erlebt, dass viele Kinder ihre Begabungen nicht voll entfalten konnten. „Viele Kinder haben Interesse am mathematischen Denken oder an naturwissenschaftlichen Experimenten“, sagt Terbrack. Doch in Kindergarten oder Schule würden häufiger die Lernschwachen mehr Förderung erhalten. Die Mutter einer Tochter will das ändern.
„Es sollte nicht im Vordergrund stehen, was das Kind nicht kann. Entwicklungsverzögerungen oder Schwächen können in die Förderung von Begabten eingebaut werden und somit besser bearbeitet werden“, erklärt Terbrack. „Kinder brauchen Anerkennung, Förderung und Forderung ihrer Fähigkeiten.“
Eltern könnten den Entwicklungsstand ihres Kindes oft nicht genau einschätzen. „Manche Sechsjährige haben schon den Entwicklungsstand eines Achtjährigen“, erklärt sie. Da biete sich eine vorzeitige Einschulung oder das Überspringen einer Klasse an. Um die intellektuellen Fähigkeiten eines Kindes besser zu erkennen, bietet Terbrack für Kinder im Alter von vier bis 15 Jahren die Durchführung eines Intelligenz-Test-Verfahrens an. Es beinhaltet Elterngespräche sowie eine gut zweieinhalbstündige Beschäftigungszeit mit dem Kind. Danach lasse sich am ehesten der Förderschwerpunkt einschätzen und entwicklungsgerecht einer Gruppe zuordnen.
Derzeit bietet sie im „Pfiffikuss“ vier Kurse im mathematischen Denken und naturwissenschaftlichen Experimentieren an. Wichtig sei für die Kinder, sich mit Gleichgesinnten zu treffen, sich mit ihnen auszutauschen und an ihnen messen zu können. „Viele Kinder bleiben einige Jahre bei uns“, so Terbrack. Damit sich alle Familien das Mitmachen leisten können, sei ein Förderverein gegründet worden. Zudem werden die Kinder integrativ gefördert. Die Alarmanlage haben die jungen „Daniel Düsentriebs“ schnell gebaut und elegant unter dem Teppich verstaut. Zuhause wird sie dann im Kinderzimmer installiert und warnt mit Piepton vor „Eindringlingen“.
