Wangerooge/Schortens - Bei dem Wahlergebnis der Integrierten Gesamtschule Friesland dürften Kanzlerkandidat Peer Steinbrück vor Freude die Augen tränen: 38,5 Prozent der Stimmen holt die SPD bei der Schülerwahl.
Zusammen mit den 14,6 Prozent der Grünen wäre die rot-grüne Wunschkoalition perfekt. Die FDP schafft an der IGS mit 6,6 Prozent zwar den Sprung in den Bundestag, dafür liegt die CDU im Tal der Tränen und damit die schwarz-gelbe Koalition in Trümmern: Nur 19,3 Prozent. Und die Piraten? Abgesoffen. Von einst 30 Prozent bei der Schülerwahl zur Landtagswahl im Januar auf 11,3 Prozent. Die Linke scheitert mit 4,1 Prozent.
„Das sind Stimmen für den Papierkorb“, erklärt Politiklehrer Sebastian Wenzel seinen Neuntklässlern, dass alle Parteien, die unterhalb von 5 Prozent liegen, nicht in den Bundestag kommen.
Die Schülerwahl, bei der an der IGS rund 380 Schüler der Jahrgänge acht und neun teilgenommen haben, ist natürlich keine vorweggenommene Bundestagswahl. Vor allem das CDU-Ergebnis, aber auch das der SPD, widerspricht allen Umfragen von Wahlforschern für den kommenden Sonntag. Große Fragezeichen stehen zudem hinter der FDP und den Piraten.
Für die Schüler der IGS Friesland sind die Resultate dennoch nicht überraschend: Die SPD habe er schon sehr stark vermutet, sagt Neuntklässler Nils. Die habe vor allem bei Fragen zur sozialen Gerechtigkeit überzeugt.
Dass die Grünen nicht nur „für Umweltschutz“ sind, sondern auch „die Steuern erhöhen“ wollen, hat sich auch auf dem Schulhof der IGS herumgesprochen. Und dass die Piraten so sehr eingebüßt haben, hat für die Klasse einen einfachen Grund: „Von denen hört man ja nichts mehr“, sagt Alexander. „Mediale Präsenz ist für eine Partei und ihre Kandidaten von herausragender Bedeutung“, sagt Fachlehrer Wenzel.
Würde es nach den Ergebnissen der Schülerwahl der Klassen 9F und 10HR der Inselschule Wangerooge gehen, wäre stattdessen Gregor Gysi Bundeskanzler und die Grünen könnten gleich ganz einpacken. Auch diese Klasse nahm an der NWZ -Aktion „Schüler wählen“ teil und überraschte mit einem außerordentlichen Wahlergebnis für die Linke.
Um zu erfahren, wie sich so eine richtige Wahl anfühlt, waren die Schülerinnen und Schüler mit Klassenlehrer Klaus Brüggerhoff zur Gemeinde ins echte Wahllokal marschiert. Dort hatten Mitarbeiter das Wahllokal professionell hergerichtet, die Wahlkabine war aufgebaut worden und die Stimmzettel mussten in die richtige Wahlurne geworfen werden. Wahlhelfer Rolf Wilhelmi zählte die Stimmzettel im Beisein der Klasse aus.
Der Trend der Schülerwahl war eindeutig: die Linke würde vorne liegen. „Uns war zum Beispiel besonders wichtig, dass 10€ Euro Mindestlohn eingeführt wird, die Strompreise sozial gestaltet werden und die Videoüberwachung eingeschränkt wird“, erzählen Jan und Shari. Aber auch ein Punkt aus dem Wahlprogramm der SPD gefiel: Die integrative Beschulung. „Ich finde es gut, dass die Schüler nicht in verschiedene Schulformen aufgeteilt werden sollen“, sagt Angelina.
Neben dem guten Ergebnis für die Linke wich der Wahlausgang in einem weiteren Punkt vom Gesamtergebnis ab: „Die Grünen haben in den anderen Schulen recht viele Stimmen erreicht. Die hat keiner von uns gewählt“, meint Shari. Zwar glaubt Armin, dass die echte Wahl keine großen Überraschungen mehr bringt – „Die CDU gewinnt sowieso“ –, aber trotzdem sind alle gespannt.

