Heute beginnt mit dem Vorverkauf für die Veranstaltungen der „Plattdüütschen Week“ die heiße Phase der Vorbereitungen. Mit meiner heutigen Gesprächspartnerin hätte ich mich eigentlich nicht extra treffen müssen, denn in Sachen „Plattdeutsch“ machen Angela Hillen und ich ja gemeinsame Sache.

Angela Hillen ist 1968 in Falkenburg geboren und lebt auch noch heute mit ihrer Familie dort.

Mit der plattdeutschen Sprache ist sie buchstäblich aufgewachsen. Ihre Eltern Gerda und Herbert Meyer und auch Oma Else Oetjen haben untereinander Plattdeutsch gesprochen, mit Angela und ihren beiden Geschwistern Gerwin und Beate allerdings Hochdeutsch.

Die Kinder übernahmen dabei gerne plattdeutsche Begriffe in ihren Wortschatz. An ein Erlebnis ihrer älteren Schwester Beate erinnert Angela sich gerne. Beate sollte in Delmenhorst eine Suppenkelle kaufen. Zur Verkäuferin sagte sie: „Ich möchte einen Suppenschleev“ (Kelle heißt auf plattdeutsch Schleev). Die Verkäuferin verstand nur „Bahnhof“ und konnte nicht verstehen, was Beate von ihr wollte. „Wir haben auch immer vom „Schoddeldook“ gesprochen und nie vom „Schüsseltuch“.

In der Grundschule Habbrügge lernte Angela Hillen von Wiltrud Schauer in der Plattdeutsch AG so richtig plattdeutsch sprechen. Beim plattdeutschen Lesewettbewerb schaffte sie es immerhin bis zum Kreisentscheid.

Nach der Grundschule war die „Plattdeutsche Zeit“ aber erst einmal vorbei. Die Verantwortlichen der Orientierungsstufe und des Gymnasiums hatten an Plattdeutsch kein Interesse. 1986 gründete Angela Hillen daher mit mehreren Mitbewohnern von Habbrügge/Falkenburg die Plattdeutsche Theatergruppe. In vielen Rollen schlüpfte sie seitdem – natürlich auf Platt.

Hauptberuflich war Angela Hillen Arzthelferin. Auch in der Praxis sprach sie mit Kollegen und mit einigen Patienten hin und wieder plattdeutsch. „Das kam besonders bei den älteren Patienten sehr gut an“, erinnert sie sich.

Nachdem einige Jahre ihre ganze Aufmerksamkeit ihrem Ehemann Jens Hillen und den beiden Töchtern Maud (16) und Jule (12) galt, bekam sie 2000 das Angebot vom Rektor der Grundschule Habbrügge, Friedrich Walkenhorst, die Plattdeutsch AG zu leiten. Die „Plattdeutsche Karriere“ von Angela Hillen nahm ihren Lauf. Die Kinder waren und sind von Angelas Unterricht begeistert. Diese AG in Falkenburg hat sich zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt.

Eines Tages bekam Angela Hillen einen Anruf von Yared Dibaba, einem Fernsehmoderatoren und alten Schulfreund von Angela. Er wollte sein Plattdeutsch auffrischen – und Angela sollte ihm dabei helfen. Angelas Engagement hatte sich bis zu ihm nach Hamburg herumgesprochen.

Damit aber nicht genug. Angelas unermüdlicher Einsatz hat ein Ziel: die plattdeutsche Sprache gerade für junge Menschen wieder „salonfähig“ zu machen. Auch der Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas blieb das nicht verborgen, und so holte sie Angela in das Organisations-Team der „Plattdüütschen Week“. Ihr Traum ist nach wie vor, dass Plattdeutsch-Unterricht in allen Ganderkeseer Schulen angeboten wird. An diesem Traum arbeitet sie noch.

Durch den Erfolg der ersten „Plattdüütschen Week“ 2008 in Ganderkesee wurde auch der Landkreis Oldenburg in Sachen „Plattdeutsch“ aktiv und gründete den „Plattdeutschen Freundeskreis“. Dieser schlug Angela Hillen (zusammen mit Detmar Dirks) zur ersten Beauftragten des Landkreises Oldenburg für die Plattdeutsche Sprache vor. Der Kreistag wählte beide einstimmig. „Wir müssen es schaffen, dass die plattdeutsche Sprache bei den Jugendlichen Kult wird“, ist ihr fester Vorsatz. „Es gibt Werbespots in bayrischer Sprache, warum nicht auch einmal welche auf Plattdeutsch, oder warum machen die Moderatoren von N-Joy Radio zum Beispiel nicht einmal coole Sprüche auf Plattdeutsch?“.

„Was macht für Dich die plattdeutsche Sprache so lebenswert?“, ist meine letzte Frage. „Plattdeutsch ist für mich ein Stück Heimat, Gemütlichkeit und gute Laune. Mit meinem Mann und mit meinen beiden Töchtern spreche ich immer häufiger plattdeutsch“, sagt Angela.

Plattdeutsch-Beauftragte im Landkreis Oldenburg, Mitorganisatorin der „Plattdüütschen Week“