Wildeshausen - Natürlich hat er den Kinofilm „Fuck ju Göthe“ gesehen, sagt Dr. Andreas Everinghoff. Die Komödie um einen Aushilfslehrer, der mit ruppigen Methoden eine Chaotenklasse in den Griff bekommt, sei zwar nicht pädagogisch wertvoll gewesen, hat aber für den stressigen Lehreralltag sensibilisiert, meint Everinghoff. Am Montag wurde der 44-Jährige vor der Gesamtkonferenz der Hauptschule Wildeshausen als neuer Konrektor vorgestellt.
Eigentlich wollte der gebürtige Paderborner nie Lehrer werden. Er machte eine Ausbildung zum Postboten, war ein Jahr in dem Beruf tätig und holte über den Zweiten Bildungsweg sein Abitur nach. Thema seiner Doktorarbeit an der Universität Paderborn war der Einsatz von Medien im Unterricht.
2008 kam Everinghoff an die Hauptschule Wildeshausen, wo er Deutsch, Mathematik und Katholische Religionslehre unterrichtet. Zunächst habe der Kollege in einer Ferienwohnung gelebt und sei an den Wochenenden nach Paderborn gefahren, erinnert sich Rektorin Dorit Hielscher. „Doch als er sich mit seiner Frau in Wildeshausen ein Haus gekauft hat, wussten wir: Er bleibt.“
An der Hauptschule mit ihren gut 300 Schülerinnen und Schülern sowie 30 Fachkräften habe Everinghoff stets viel Interesse an der Organisation gezeigt. Den Kontakt zur Universität hielt er stets aufrecht – zunächst über seine Lehrtätigkeit in Paderborn, später durch seine Mitarbeit an der Universität Vechta, wie Hielscher berichtete. Mit Blick auf die praktische Ausbildung von Lehramtsstudenten sorgte er im Rahmen des Projekts „GHR 300“ für eine enge Verknüpfung zwischen Schule und Uni. In der Funktion des stellvertretenden Schulleiters folgt er Bernard Werner, der im Sommer in den Ruhestand wechselte.
Im Rahmen der Gesamtkonferenz gratulierten am Montag auch Hans Ufferfilge, Fachbereichsleiter bei der Stadt Wildeshausen, Rebecca Krenke vom Personalrat, Elternvertreterin Sylvia Tempel und Schülersprecherin Roshin Kameran. Die Hauptschule in Wildeshausen sei „ganz hervorragend aufgestellt“, betonte Ufferfilge. Krenke bezeichnete ihren Kollegen als „Lehrer aus Leidenschaft“. Den 44-Jährigen zeichne Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit aus.
„Ich habe den Wechsel nie bereut – weder beruflich noch privat“, schloss Everinghoff eine Rückkehr in den Job des Postboten aus. Die Hauptschule mit ihrer beruflichen Orientierung biete „viele positive Effekte“: „Wir nehmen uns viel Zeit, um die Schüler zu stärken.“ Everinghoff unterstützt die Schülerfirma „Fairne Laden“, arbeitet im Förderverein mit und hilft sogar früheren Schülern beim Berufseinstieg. Mit der neuen Aufgabe als Konrektor werde die Arbeit an der Ganztagsschule nicht gerade weniger.
