Von Hergen Schelling
Frage:
Schuleschwänzen ist der Einstieg in kriminelle Karrieren, sagt man – sehen Sie das ebenso?Ahlrichs:
Kriminell würde ich nicht sagen, aber damit kann eine soziale Verwahrlosung beginnen, die später vielleicht zu Deliktverhalten führt.Frage:
Ist Schuleschwänzen in ländlich strukturierten Gebieten wie hier überhaupt ein ernstes Thema?Ahlrichs:
Es gibt überall die Fälle, in denen aus gelegentlichem Schwänzen hartnäckige Verweigerung wird. Der Landkreis leitete 2004 rund 50 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein – gegen die Eltern und die Schüler.Frage:
Was droht denen?Ahlrichs:
Zunächst ein Bußgeld, das in eine Arbeitsauflage umgewandelt werden kann, bis hin zum Freizeitarrest in Vechta.Frage:
Zur Schule gehen die Jugendlichen dann aber immer noch nicht . . .Ahlrichs:
Sanktionen führen nicht zu regelmäßigem Schulbesuch. Deshalb muss auch intensive Betreuung stattfinden: Mitarbeiter des allgemeinen Sozialdienstes und Lehrer nehmen Kontakt zu den Schulschwänzern zu Hause auf.Frage:
Wie läuft die Zusammenarbeit mit den Schulen?Ahlrichs:
Sehr gut. Wenn die Schulen feststellen, dass ihre pädagogischen Maßnahmen nicht fruchten, schalten sie das Jugendamt ein. Es wäre aber oft besser, wenn wir früher hinzugezogen würden.Frage:
Warum scheuen sich die Schulen?Ahlrichs:
Es ist schwer zu diagnostizieren, wann aus gelegentlichem Fehlen Schulabstinenz wird. Die Schulen probieren auch zunächst eigene Mittel aus.Frage:
Zieht sich das Problem eigentlich durch alle Schulformen?Ahlrichs:
Ein Schwerpunkt sind Berufsschulen, an Hauptschulen geschieht es öfter als an Gymnasien – aber auch dort gibt es Fälle.Frage:
In Bayern werden Schulschwänzer von der Polizei zur Schule gebracht...Ahlrichs:
Das ist bei uns auch schon vorgekommen. Aber die Jugendlichen gehen dann vorne rein und hinten wieder raus. Man muss nach den Ursachen schauen und mit der Familie sprechen. Eine gute Zusammenarbeit unter den Erwachsenen ist oft der Schlüssel zum Erfolg.„Schulverweigerung“ ist Thema einer Fachtagung, zu der das Kreisjugendamt am kommenden Montag ins Berufsförderungswerk Bookholzberg einlädt. Fragen dazu an Martin Ahlrichs vom Jugendamt.
