Von wolfgang grave
Frage:
Frau Wieneke, neueste Studien belegen, dass immer mehr Kinder schlecht gekleidet oder in einem schlechten Gesundheitszustand in den Kindergarten kommen. Spiegelt sich diese „neue Armut“ auch an ihrer Grundschule wider?Wieneke
: Bei uns ist dieses Problem nicht akut. Wir erleben die Kinder äußerlich in einem angemessenen Zustand. Sie sind sauber und ordentlich gekleidet. Wir sind aber auch keine Problemschuleinmitten eines sozialen Brennpunktes.
Frage:
Also heile Welt in Ganderkesee?Wieneke:
Im Vergleich mit größeren Städten gibt es hier noch eine gesunde Struktur, das ist richtig. Obwohl ich glaube, dass die Zahl der Sozialhilfe- oder Hartz IV-Empfänger in letzter Zeit auch hier gestiegen ist.Frage:
Und das wirkt sich nicht auf die Schule aus?Wieneke:
Hin und wieder kam aus der Elternschaft Kritik, wenn es um Geld für Klassenfahrten ging. So haben wir unsere traditionelle Theaterfahrt in der Vorweihnachtszeit gestrichen. Stattdessen überlegen sich die Klassenlehrer mit den Eltern Veranstaltungen.Frage:
Ist das nicht auch ein Zeichen für die „neue Armut“ in Deutschland?Wieneke:
So würde ich das nicht nennen. Ich glaube vielmehr, dass Eltern bewusster mit Geld umgehen. Nur in Einzelfällen kommen sie auf uns zu und beantragen Zuschüsse für eine Klassenfahrt. Frage: Würden Schuluniformen nicht helfen, Konkurrenzdenken zu vermeiden?Wieneke: Sicherlich. Aber die Frage ist ja immer, wie man Uniformen finanzieren will. Wenn der Staat sie zahlt, haben alle die gleiche Chance. Müssen die Eltern die Schuluniformen aber selbst kaufen, gibt es ein Problem, denn Uniformen sind teuer. Im Grundschulalter ist ein Markenbewusstsein der Kinder noch nicht so ausgeprägt. Die Kinder vergleichen sich eher anhand ihres Spielzeuges.
Rita Wieneke, Schulleiterin der Grundschule an der Langen Straße, über Anzeichen von Armut bei den Kindern ihrer Schule.
