Cloppenburg - Viel Zuspruch hat der diesjährige Akademieabend des Geschichtsausschusses im Heimatbund für das Oldenburger Münsterland in der Katholischen Akademie Stapelfeld zum Thema „Vechtaer Hochschulköpfe“ bekommen. Mehr als 50 ehemalige Absolventen der früheren Pädagogischen Hochschule und regionalgeschichtlich Interessierte verfolgten gebannt eine Präsentation mit Porträts von Hochschullehrern der ersten Nachkriegsjahrzehnte, die jetzt der Uni-Archivar Franz-Josef Luzak zusammengestellt hatte.
Darunter war unter anderem eine Fotografie des bekannten Musikpädagogen Felix Oberborbeck zu sehen, der in kurzen Hosen und ganz in Weiß am Lehrpult stand. In Vechta soll dieses Auftreten tagelang Stadtgespräch gewesen sein.
In seiner Einleitung wies Privatdozent Dr. Michael Hirschfeld auf die problematische Situation in der Vechtaer Lehrerausbildung nach dem Zweiten Weltkrieg hin: Lehrer wurden zwar dringend benötigt, jedoch gab es keine geeigneten Dozenten. Hirschfeld führte aus, dass die ersten Professoren vor allem aus dem Umfeld der Pädagogischen Akademie in Bonn berufen wurden. Sie sollten katholisch und reformpädagogisch gesinnt sein. Eine Promotion und Erfahrungen in der Schulpraxis waren ebenso Voraussetzungen.
Dass letzteres Kriterium nicht für alle Neuberufenen galt, zeigten zwei der drei in Einzelvorträgen vorgestellten Berufswege von Vechtaer „Hochschulköpfen“. Sowohl die Geografin Angelika Sievers als auch der Geologe Pater Oswald Rohling erfüllten diese Voraussetzungen nicht. Sie hatten wissenschaftliche Karrieren angestrebt, die aber durch die Kriegsumstände unterbrochen worden waren, wie Dr. Horst-Alfons Meißner (Osnabrück) und Hirschfeld in ihren Vorträgen darlegten. Beide wirkten in Vechta in einem Spannungsfeld zwischen Beheimatung in der Kleinstadt und Verwurzelung in der weiten Welt.
Das Herz von Sievers schlug für die Südasien-Forschung, das des Dominikaners Rohling für den Nordatlantik. Dagegen erwies sich der Schlesier Alexander Beinlich bodenständiger, wie sein Biograf Prof. Dr. Wilfried Kürschner (Vechta) herausstellte. Als gelernter Volksschullehrer feierte er mit einem auflagenstarken „Handbuch des Deutschunterrichts“ Erfolge, das als „der Beinlich“ Generationen von Deutschlehrern weit über Vechta hinaus begleitete.
Angesichts des breiten Interesses sollen die Forschungen über „Vechtaer Hochschulköpfe“ in Kooperation mit dem Universitätsarchiv in den kommenden Jahren fortgesetzt werden. So sollen auch für das Kulturleben der Region verdiente Professoren wie Oberborbeck und Josef Giesen in Einzelporträts eine Würdigung finden.
