RAMSLOH - Wer durch das neue Programmheft des Bildungswerks Saterland stöbert, stößt bei Seite 21 auf den „Saterfriesischen Gesprächskreis“. Dahinter verbirgt sich eine muntere Runde aus acht jungen Leuten aus dem Saterland. Sie haben sich vorgenommen, Saterfriesisch, also Seeltersk, zu lernen und treffen sich alle zwei Wochen dienstagabends bei Gretchen Grosser zu Hause.
Alles begann vor ungefähr einem Jahr: Mario Kock (31) wollte schnell das Saterfriesische lernen. So trat er an Gretchen Grosser heran und fragte, ob sie ihm das nicht in einer Art Kursus beibringen könnte. Gretchen Grosser sagte zu unter der Bedingung: „So ein Kursus sollte für die Leute nichts kosten“, so die 77-jährige Seeltersk-Expertin.
Treffen seit einem Jahr
Seit einem Jahr treffen sich nun junge Leute bei Grosser in der Küche, um die Sprache zu lernen. Nach und nach kommen abends die einzelnen Leute zusammen. Dann werden Getränke gereicht – meist gibt es dazu Kekse und Kuchen. Wenn dann alle gemütlich beisammen um den großen Küchentisch sitzen, werden erst einmal Neuigkeiten ausgetauscht.
An diesem Dienstagabend hat Gretchen Grosser etwas Besonderes vorbereitet: Schnippelbohneneintopf, also Snippelboonen, ein traditionelles Gericht der Saterfriesen, so Grosser. Doch bevor die serviert werden, wird gesungen – natürlich auf Saterfriesisch. So ertönt die erste Strophe des Seelter Läids, der Saterfriesischen Hymne, in der Küche.
Danach kommt der dampfende Eintopf auf den Tisch, es wird munter geredet, saterfriesische Sätze vermischen sich mit plattdeutschen Einflüssen. „Es ist schon schwierig, wenn man das Saterfriesische mit Plattdeutsch vertauscht“, sagt Sarah Heyens (27) aus Ramsloh. Das ist nicht schlimm, denn Grosser ist keine strenge Lehrerin. Sie versucht immer wieder, ihre Lehrlinge zum Sprechen zu bewegen, indem sie selbst nur Seeltersk spricht. Auch Texte werden regelmäßig gelesen.
Denn inzwischen können sie alle die Sprache verstehen. So auch Mario Kock: „Also, die Katze im Sack kann man mir inzwischen nicht mehr auf Saterfriesisch verkaufen“, meint er schmunzelnd.
„Nur selbst sprechen, trauen sie sich alle noch nicht so recht“, sagt Grosser dazu, „sie haben wohl Angst, dass sie ausgelacht werden, aber das werden sie hier in dieser Runde nicht“, meint die Ramsloherin.
Noch Plätze frei
Sie selbst hat die Sprache übrigens in ihrem Elternhaus gelernt. Man merkt ihr an, dass sie dieses Sprachwissen nun gerne an „die jungen Leute“, wie sie sagt, weitergibt.
Es können auch noch welche dazu kommen zum Lernen. An Gretchen Grossers Küchentisch findet immer noch ein Stuhl Platz. Beherrschen muss man die Sprache noch nicht.
Wer Interesse hat, kann sich bei Gretchen Grosser unter Telefon 04498/2505 melden.
