RASTEDE - Vor mehr als 30 Jahren war Inge Schymura, geborene Dannemann, zuletzt in Rastede. Heute lebt sie ganz im Süden der Republik im bayerischen Rosenheim – etwa 900 Kilometer entfernt. Zum Klassentreffen des Abschlussjahrgangs 1951 der damaligen Volksschule reiste sie nun wieder in den Norden und bleibt gleich zwölf Tage in Rastede.
Volksschule Rastede
„Es ist einfach schön hier“, schwärmt Inge Schymura, die sich Rastede auch heute noch sehr verbunden fühlt. „Ich bin schon alle Wege abgegangen und habe festgestellt, dass sich viel zum Positiven verändert hat“, sagt die Frau, die an der Mühlenstraße aufgewachsen ist.
„Es ist schön, wenn man die Ecken wiedersieht, wo man damals mit seiner ersten Liebe spazieren ging“, erzählt Inge Schymura. Am Kühlen Grund war sie schon, „wo sich früher das Mühlrad gedreht hat“, erinnert sie sich. Und auch die Sportanlagen und den Ellernteich schaute sie sich an.
Jetzt sitzt sie mit 30 anderen ehemaligen Schülern im „Hof von Oldenburg“, tauscht Erinnerungen mit den einstigen Klassenkameraden aus und blättert in den Fotoalben, die Jürgen Hobbensiefken mitgebracht hat.
Erinnerungen an Lehrerin
Auch Bilder der damaligen Lehrerin Fräulein Thorade sind darin enthalten, die er nach einem Aufruf in derNWZ
bekam. Bei dem Blick auf die alten Aufnahmen werden auch in Inge Schymura Erinnerungen wach.„Ich war damals die Kleinste in der Klasse und die erste, die Schläge bekommen hat“, blickt sie zurück. Es war eine andere Zeit damals, die Erziehungsmethoden mit den heutigen nicht vergleichbar.
Das bekam Inge Schymura zu spüren: Sie beging einen Frevel, vor dem die Lehrerin gewarnt hatte. „In das Diktatheft habe ich auf das Löschpapier ein großes Mondgesicht gekritzelt“, weiß sie noch. Dafür gab es zehn Schläge mit dem Rohrstock in die Hand. „Es war das einzige Mal, dass ich Schläge bekam.“
Hobbensiefken weiß, dass Fräulein Thorade gleich fünf Rohrstöcke in der Ecke des Klassenraumes stehen hatte. In die Klasse gingen damals mehr als 60 Kinder, die 1942 eingeschult worden waren.
Es war die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland und auch eine antichristliche Phase der deutschen Geschichte, erinnert sich Arno Behrens, der heute in Hamburg lebt. Eines hat er bis heute nicht vergessen: „Vor Schulbeginn haben wir immer ein Gebet gesprochen. Ich fand es mutig, dass sich Fräulein Thorade auf diese Weise dem Regime widersetzte.“
Der Krieg wirkte sich auch auf den Unterricht aus. „1944 und 1945 gab es nicht viel Unterricht. Über Rastede war eine Überflugschneise, und es wurde oft Alarm gegeben“, schildert Behrens, der nach den ersten vier Schuljahren in Rastede aufs Gymnasium in Oldenburg wechselte.
Fahrt auf Trittbrettern
Für die Aufnahmeprüfung musste der damals Zehnjährige eine Woche lang mit dem Zug nach Oldenburg fahren. „Die Züge waren unheimlich überfüllt. Oft hingen wir nur noch auf den Trittbrettern“, erzählt er und fügt an: „Das war eine harte Zeit.“
Doch auch nette Erinnerungen gibt es. „Wir haben schon schöne Streiche ausgeheckt“, berichtet Inge Schymura. „Wenn wir die Schule geschwänzt haben, verstellten wir die Kirchturmuhr oder warfen einen Wollstrumpf über die Lampe in der Kirche“, verrät sie und muss darüber noch heute schmunzeln.
Hermann Evers aus Rastede freut sich derweil über die große Zahl der Teilnehmer. „Es ist erstaunlich, dass so viele der 75-Jährigen zusammengekommen sind“, sagt er.
Geplant war das Wiedersehen ursprünglich bereits nachdem die Ehemaligen Goldene Konfirmation gefeiert hatten. Das Treffen kam aber nicht zustande, erzählt Inge zur Horst. Erst nach der Diamantenen Konfirmation konnte es realisiert werden.
Die Gästeführerin gehört ebenfalls zu den ehemaligen Schülern und erzählt auf dem Weg vom „Hof zu Oldenburg“ zum Palais mehr über die Entwicklung Rastedes. Vor dem Eingang stellen sich die ehemaligen Schüler dann zum Gruppenfoto auf. Und eines ist sicher: Auch diese Aufnahme wird zu den vielen Bildern in den Fotoalben von Jürgen Hobbensiefken hinzugefügt. Eine schöne Erinnerung.
