Oldenburg - Neugierig, aber noch ein wenig zurückhaltend betrachten Antonia, Anna, Lara und Timm den Gegenstand in der Hand von Hans-Joachim Müller. Sieht aus wie ein Stein, aber ist es wirklich einer? „Sagt laut, was ihr denkt“, ermuntert der 67-Jährige die Kinder zum Mitmachen: „Das hier ist keine Schulstunde.“ Sondern der „Jaspers’ Philosophier-Club“, der erstmals in Oldenburg debattiert. Genauer gesagt ist es die Schnupperstunde zur Einführung.
Schnell tauen die Kinder auf, beginnen, laut zu denken. „Es ist ein Stein“, legt sich Anna fest. Auch Zweifel tauchen auf und sind ausdrücklich erwünscht. Schon ergeben sich weitere Fragen: „Wie alt ist er eigentlich? Wo kommt er her?“ Müller freut sich über die vielen Anregungen. „Die Fragen der Kinder werden oft nicht ernst genommen oder vorschnell beantwortet“, meint der pensionierte Grundschullehrer und Uni-Lehrbeauftragte, der vor fünf Jahren im Ammerland auf die Idee kam, mit dem Nachwuchs zu philosophieren.
Gemeinsam mit Hanna Kallage (27), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie der Universität, gibt er Mädchen und Jungen ab der dritten Klasse Raum zum Staunen, Fragen und Diskutieren. Von der eigenen Existenz über das oft tabuisierte Thema Sterben und Tod bis hin zu alltäglichen Phänomenen reicht das Spektrum. „Es ist sehr spannend, welche Überlegungen die Kinder anstellen“, hat Kallage festgestellt. Ihre Einschätzung deckt sich mit der des Oldenburger Philosophen Karl Jaspers (1883-1969): „Ein wunderbares Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher ursprünglich philosophiert, sind die Fragen der Kinder. Sie besitzen oft eine Genialität, die im Erwachsenwerden verloren geht.“ Jaspers, so Müller, sei somit der ideale Namensgeber für die Veranstaltungen, die ab 11. Juni jeweils mittwochs (16 bis 17 Uhr) im Karl-Jaspers-Haus (Unter den Eichen 22) stattfinden. Die mögliche Sorge, die Kinder zu überfordern, sei unangebracht, findet Müller: „Wir machen ja keine Exkurse in die Philosophie-Geschichte.“ Stattdessen gehe es darum, Dinge zu hinterfragen und den Mut zu haben, selbstständig zu denken, auch wenn man damit anecke und gelegentlich unbequem sei.
Auch Kinder, die nicht beim Schnupperkurs waren, können sich noch anmelden bei h.kallage@uni-oldenburg.de. Das Projekt wird von der Karl-Jaspers-Gesellschaft unterstützt und von der EWE-Stiftung gefördert. Die Teilnahme ist kostenlos.
