Friesoythe - Der Automobilriese VW betreibt in China ein großes Automobilwerk – für viele Chinesen ein attraktiver Arbeitgeber. Immer wieder reisen auch deutsche Fachlehrer ins Reich der Mitte, um die duale Ausbildung im Bereich Kfz-Technik den Schülern nahe zu bringen. Antonius Kanne (52), Lehrer für Fachpraxis im Fachbereich Fahrzeugtechnik an den Berufsbildenden Schulen am Scheefenkamp in Friesoythe, war jetzt bereits zum dritten Mal in der Volksrepublik, um Schülern wie Lehrern sein Fachwissen zu vermitteln.
In der Zeit vom 6. bis zum 15. Januar unterrichtete Kanne in Yizheng in der Provinz Jiangsu insgesamt 39 Schüler am Yizheng Technician College – „wesentlich zu viel“, sagte Antonius Kanne im Pressegespräch nach seiner Rückkehr. Im fachpraktischen Unterricht in Deutschland säßen zumeist zwölf Schüler. Dafür seien die Schüler, die sich im ersten Lehrjahr der dreieinhalbjährigen Ausbildung befinden, sehr diszipliniert. „Viele absolvieren dort die Ausbildung im Kfz-Bereich, in der Hoffnung, bei VW anfangen zu können“, so Kanne. Das deutsche duale Ausbildungssystem sei weltweit hoch angesehen, ergänzte Dr. Georg Pancratz, Schulleiter der BBS Friesoythe.
Bei dem Besuch, der in Kooperation mit dem Niedersächsischen Kultusministerium sowie dem Chinesischen Zentrum/Hannover e.V. stattfand, verfolgte Kanne andere Ziele als die chinesischen Lehrer: Schüler sollten selbstständig zu Lösungen kommen. Die Rolle des Lehrers liege eher in der Moderation, ergänzte Dr. Pancratz. Ein Beispiel: An den Bremsen eines Fahrzeugs gibt es Schleifgeräusche. Die Schüler sollten zunächst einen Arbeitsauftrag erstellen – „gar nicht so einfach, denn so etwas wie einen Fahrzeugschein gibt es dort nicht“ (Kanne) –, ein Arbeitsplan wird entworfen, bevor die Arbeiten durchgeführt werden: nämlich die Bremsbeläge zu wechseln. „Manöverkritik“ durch den Lehrer kommt erst zum Schluss. Durch die Größe der Klasse konnte aber jeweils nur ein Teil der Klasse die praktischen Arbeiten erledigen. Rad- und Reifenwechsel machte Kanne ebenso zum Unterrichtsthema wie die Entlüftung der Bremsanlage oder die Prüfung der Kompression.
Der Unterricht, der von einem Dolmetscher übersetzt wurde, sei ein wenig kurz geraten, sagte Kanne. Abzüglich der An- und Abreise, die jeweils fast einen ganzen Tag gedauert habe, konnte der Pädagoge lediglich rund eine Woche unterrichten. Bei den zwei Besuchen zuvor war er 14 Tage in China.
Die Schüler im Alter von 16 bis 18 Jahren werden zum Ende der Lehrjahre eine Gesellenprüfung nach deutschem Vorbild ablegen. Kanne: „Das ist für sie schon schwierig, weil die berufspraktischen Anteile fehlen.“
Der Besuch des Fachlehrers – der fünfte eines Technik-Lehrers der BBS Friesoythe in China – sei ein weiterer Beitrag zum Schwerpunkt Internationalität an den BBS, sagte Schulleiter Dr. Pancratz. Weitere sollen folgen: Im Frühjahr wird eine Kooperation der Lehrkräfte mit der Universität Vechta zum Themenfeld Europa im Vorfeld der Europawahl stattfinden. Dabei sollen Professoren der Uni gemeinsam mit Politiklehrern Workshops anbieten. Anschließend soll ein Europatag zur Europawahl veranstaltet werden.
Die Schule strebe zudem eine weitere Partnerschaft – neben der bestehenden mit einer Schule in Swiebodzin – mit einer niederländischen Schule an. Und weiterhin haben die BBS Friesoythe mit Genehmigung des Landkreises Cloppenburg beim Kultusministerium den Antrag auf Verleihung des Titels „Europaschule in Niedersachsen“ gestellt.
