Wüsting - Die Wände sind nackt, der Schreibtisch ist leer, keine Blumen, kein PC-Bildschirm. Das Türschild auf dem Flur enthält den Namen der Vorgängerin. Es wirkt so, als wäre die neue Rektorin der Grundschule Wüsting noch nicht angekommen. Doch der Eindruck täuscht, und zwar gewaltig: Sabine Tretner ist da, schon lange sogar: Seit 13 Jahren ist die gebürtige Darmstädterin bereits Lehrerin in Wüsting, offiziell seit dem 1. August hat sie jetzt die Leitung der Schule übernommen. Dass ihr Büro noch etwas kahl scheint, nimmt sie mit Gelassenheit: „Das ist für mich nicht das Wichtigste. So etwas kann warten.“
Dass Sabine Tretner mehr Zeit im Lehrerzimmer als in ihrem Dienstzimmer verbringt, hat Gründe. Zum einen schätzt sie durch die langjährige Zusammenarbeit „ihr“ elfköpfiges Kollegium. „Die Kolleginnen geben mir totalen Rückhalt“, freut sich die 50-Jährige. Weder Neid noch Missgunst haben ihren Aufstieg zur Rektorin begleitet. Im Gegenteil: Als sie vor der Entscheidung stand, sich um die vakante Stelle zu bewerben, sei sie vom Kollegium ausdrücklich bestärkt worden. Dabei habe sie sich auch mit Monika Bruschke, die als Konrektorin die Schule zuvor kommissarisch geleitet hatte und zum Schuljahresende in den Ruhestand gewechselt war, besprochen: „Sonst hätte ich es nicht gemacht“, betont die in Oldenburg wohnende Tretner.
Zugute kommen ihr im neuen Amt Erfahrungen, die sie als Fachobfrau für Sport und Mathe sowie als Mitglied des Schulvorstandes gesammelt hat: „Ich habe gemerkt, dass es mir Spaß macht, Verantwortung zu übernehmen.“
Und dadurch, dass ihre eigenen Kinder – die 29-jährige Tochter und der 26-jährige Sohn – aus dem Haus sind, habe sie nachmittags keine zwingenden Verpflichtungen mehr: „Es passt jetzt also.“
Ein weiterer Grund für ihre häufige Präsenz im Lehrerzimmer: Noch mindestens für ein Jahr bleibt Sabine Tretner Klassenlehrerin in der Eingangsstufe, in der Erst- und Zweitklässler gemeinsam unterrichtet werden. Und da hat Tretner derzeit einiges zu tun, um die Einschulung der Abc-Schützen am kommenden Sonnabend und damit den Start der „Pinguine“, so heißen in ihrer Klasse die Kleinen, gemeinsam mit den älteren „Eisbären“ vorzubereiten.
Apropos Eingangsstufe: Dafür Sorge zu tragen, dass dieses Modell in Wüsting weiter so gut läuft wie bisher, gilt ihr Hauptaugenmerk. „Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht. Die Kinder kommen damit prima zurecht“, bilanziert Sabine Tretner zufrieden.
Eine große Aufgabe sei künftig auch die Umsetzung des Regionalen Integrationskonzeptes (RIK), das die Ausgrenzung lernschwacher Schüler minimieren soll. „Wir bilden uns fort und sind im Gespräch mit der Förderschule“, so Tretner.
Die neue Rektorin möchte ihre Schule „mit Augenmaß“ und „im Teamwork“ weiterentwickeln: „Wir wollen Kinder, Eltern und uns nicht überfordern, sondern seriös arbeiten.“
Genauso unaufgeregt geht Sabine Tretner die Einrichtung ihres Dienstzimmers an.
