Im Mai hat die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die Oberschule Rodenkirchen besucht und sich dabei besonders die Berufsstarterklassen angesehen. Vielleicht hätte sie etwas genauer hingucken sollen.

Denn jetzt plant sie, 17 ähnliche Modellschulen in ganz Niedersachsen mit drei Tagen Unterricht und zwei Tagen Praktikum pro Woche einzurichten – aber an Berufsschulen. Doch wenn die schulmüden Jugendlichen erst in der Berufsschule angekommen sind, ist es oft schon zu spät zum Gegensteuern.

Die Berufsstarterklassen, die es außer in Rodenkirchen auch etwa in Bad Zwischenahn, Wiefelstede und Sande gibt, beginnen zum richtigen Zeitpunkt – nämlich in Klasse 8. Früher können die Schüler einfach nicht in ein Langzeit-Praktikum gehen.

Der Erfolg der beiden Berufsstarterklassen an der Oberschule Rodenkirchen kann sich sehen lassen: In acht Jahren hat nur ein Absolvent seine Ausbildung nicht beendet. Das ist eine Traum-Quote, die auch eine Verpflichtung darstellt.

Die Gesellschaft muss schwächeren Schülern eine möglichst konkrete Perspektive bieten. Das ist sie nicht nur den Schülern schuldig, sondern auch sich selbst. Denn wenn es immer weniger junge Menschen gibt, wird jeder einzelne immer wichtiger. Nicht nur Flüchtlinge brauchen passende Angebote, damit sie sich ins Arbeitsleben eingliedern können.