Rodenkirchen - Behutsam und fast liebevoll geht die 16-jährige Celina Scheffer mit den Gästen des Tag-Werks beim CVJM-Sozialwerk um. In diesem Bereich werden schwerst mehrfachbehinderte Erwachsene gefördert und versorgt. Berührungsängste hat Celina keine. Sie hat sichtlich Spaß bei der Arbeit. Die 16-Jährige absolviert zurzeit an zwei Tagen in der Woche ein Praktikum beim CVJM-Sozialwerk. Drei Tage pro Woche geht sie in den 9. Jahrgang der Berufsstarterklasse an der Oberschule Rodenkirchen.
Celina Scheffer ist auf bestem Wege ihren Hauptschulabschluss zu machen. Ihre schulischen Leistungen sind gut. Doch das war nicht immer so. Ein halbes Jahr lang ist sie so gut wie gar nicht mehr zur Schule gegangen. Nur noch wenn arbeiten geschrieben wurden, kam sie zum Unterricht. Die 16-Jährige wurde an ihrer alten Schule gemobbt und verweigerte deshalb den Schulbesuch.
Der Schulabschluss rückte in schier unerreichbare Ferne. Um so beeindruckender ist die Wandlung, die die junge Frau vollzogen hat. Inzwischen geht sie wieder gerne zur Schule, erzählt sie. Die Berufsstarterklassen sollen „schulmüden“ Jugendlichen die Chance bieten, ihren Hauptschulabschluss zu erreichen und in einen Beruf zu finden. In dem Projekt besuchen die Jugendlichen an drei Tagen pro Woche die Oberschule. Zwei Tage pro Woche absolvieren sie ein Praktikum in einem Betrieb. Beim CVJM Sozialwerk unterstützt Celina Scheffer die Gruppenbetreuerinnen Ivonne Maas und Anke Stadtelmeyer. Sie hilft zum Beispiel beim Anreichen der Mahlzeiten in den Gruppen und überlegt sich kreative Angebote für die Tagesgäste. Vor Kurzem hat sie mit ihnen eine Kugelbahn aus Papprohren und Schachteln gebaut. Zusammen haben sie die Bahn auch bunt angemalt und mit Federn und anderem Schmuck verziert. „Ich überlege mir ganz viel, was ich mit ihnen machen kann, auch um die Konzentration zu fördern“, erzählt die 16-Jährige.
Ihr Aufgabenbereich ginge bereits weit über den eines Praktikums hinaus, erzählt ihr Klassenlehrer Michael Wingenfeld stolz. Und auch von Gruppenbetreuerin Anke Stadtelmeyer bekommt sie Lob: „Sie macht das sehr gut. Sie ist hilfsbereit und offen im Umgang mit unseren Klienten. Sie hat keine Berührungsängste und sie sieht die Arbeit“, sagt die Heilerziehungspflegerin.
Celina stieß erst in Jahrgang 9 zur Berufsstarterklasse. Normalerweise starten die Jugendlichen im Jahrgang 8, berichtet Jörg Naß. Die Schüler brauchen etwa ein Jahr, um zur Klasse zusammenzuwachsen, sagt er. Celina Scheffer hat sich sofort wohlgefühlt in Rodenkirchen. „Ich kannte schon viele Leute hier“, erzählt sie. Von dem Angebot der Berufsstarterklassen hat sie ebenfalls von einer Freundin gehört. Zusammen mit ihrer Mutter hatte sie beschlossen, zur Schule nach Rodenkirchen zu wechseln. Vor den Sommerferien hatte sie sich deshalb mit Jörg Naß von der Kreisvolkshochschule Wesermarsch, der das Projekt an der Oberschule Rodenkirchen begleitet, zusammengesetzt und wechselte schließlich von Nordenham nach Rodenkirchen. Inzwischen ist Celina Scheffer sogar Klassensprecherin.
Wie es nach dem Schulabschluss weitergehen soll, weiß die 16-Jährige auch schon. Sie möchte sich zur Erzieherin ausbilden lassen. Den Platz an der Fachschule Sozialpädagogik hat sie schon so gut wie sicher. „Ich muss sie nur noch anmelden“, freut sich Jörg Naß. Der Wechsel zwischen Arbeit und Unterricht motiviert sie auch wieder zum Lernen. Ihr Lieblingsfach ist Deutsch. Dass sie für die Ausbildung weitere fünf Jahre die Schulbank drücken muss, wird kein Problem, ist sich die 16-Jährige sicher.
