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Bildung Dem Rodenkircher Modell droht das Aus

RODENKIRCHEN - Eine Unterschriftenliste für den Erhalt des Kooperationsmodells an der Haupt- und Realschule Rodenkirchen machte in der Mensa die Runde. Kurt Winterboer, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, sagte den Eltern zu, eine Resolution im Kreistag einzubringen. Die Eltern müssten zusammenstehen, auf die Straße gehen und kämpfen, betonte er. „Ich denke, dass das Kooperationsmodell der richtige Weg ist“, merkte der Sozialdemokrat bei der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend an. Auch SPD-Kreistagsmitglied Karl-Heinz Brüning sagte seine Unterstützung zu.

Die Eltern der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die an der Hauptschule unterrichtet werden, wollen weiter für den Erhalt des nach ihrer Meinung nach sehr erfolgreichen Kooperationsmodells kämpfen. Seit etwa zehn Jahren werden Kinder von der fünften bis zur neunten Klasse in Zusammenarbeit mit der Braker Pestalozzischule in Rodenkirchen beschult. Laut einer neuen statistischen Erhebung, die seitens des Landes eine Förderung erst ab einer Klassenstärke von acht Schülern vorschreibt, droht dem Rodenkircher Modell nun das Aus. Betroffen seien rund 30 Schüler, hieß es.

Bereits nach den Herbstferien müsste die fünfte Klasse, in der weniger Kinder als die festgesetzte Norm unterrichtet werden, an die Förderschule in Brake wechseln. Das Entsetzen darüber ist groß, die Eltern sind entrüstet und geschockt. Die Fünftklässler seien traurig, total unglücklich und hätten Angst, ihr vertrautes Umfeld verlassen zu müssen. Neuntklässler haben ihre Nöte und Ängste dargelegt und zu Papier gebracht: „Wir wollen unsere Lehrer behalten“ und „Wir wollen hier nicht weg“ sowie „Streikschilder bauen, zusammenhalten, demonstrieren“ ist unter anderem zu lesen.

Rund 40 Teilnehmer waren auf Einladung der Sprecher der Kooperationsklassen in die Mensa gekommen. Sie erfuhren, dass das Modell relativ einmalig sei in Niedersachsen. Seit Bestehen hätten mehr als 80 Prozent der Kinder einen Hauptschulabschluss erreicht. Diese Erfolgsgeschichte solle nun für das Inklusionsmodell geopfert werden, das künftig eine Beschulung der Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen vorsieht. Nach der Behindertenkonvention der Vereinten Nationen dürften Kinder mit Förderbedarf nicht ausgegrenzt werden – was in Rodenkirchen ja auch nicht der Fall sei, machte Elternsprecher Reinhard Pollnow deutlich. „Es geht ums Geld“, kommentierte Reinhard Pollnow die Pläne der Landesregierung.

Punktueller Unterricht

Ein Großteil der zu fördernden Schüler wird punktuell unterrichtet, um Defizite im Verlauf des Schulbesuchs aufzuarbeiten. In vielen Fächern findet gemeinsam mit den Hauptschülern der gleichen Klassenstufen Unterricht statt.

Ausgelagerte Klassen

Jürgen Janssen, kommissarischer Schulleiter der HRS, sowie Norbert Harms, Leiter der Pestalozzischule in Brake, sind zurzeit damit befasst, ein tragbares Modell zu stricken, um das Modell mit weniger Stunden weiterlaufen zu lassen. Die Fünftklässler bleiben nach den Worten Jürgen Janssens noch bis zum Ende des Schuljahres in Rodenkirchen. Als ausgelagerte Klassen der Pestalozzischule stünden eigentlich 120 Stunden in Rodenkirchen zur Verfügung. 90 Stunden habe man bekommen. Weil geburtenschwache Jahrgänge immer mehr durchschlügen, sei mit weiteren Einbußen zu rechnen.

Was ab dem nächsten Schuljahr passiert, ist ungewiss. Nach Meinung der Teilnehmer sollte politischer Druck aufgebaut werden, um den Status Quo zu erhalten und langfristige Sicherheit zu erreichen.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
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