Rodenkirchen - So intensiv wie in den vergangenen Wochen haben Gina Büsing und Michelle Düser wohl noch nie die Todesanzeigen in der Nordwest-Zeitung studiert. Bei der Lektüre sind die beiden Oberschülerinnen in offizieller Mission unterwegs – nämlich für das Medienprojekt „Zeitung in der Schule“, kurz Zisch.

Die beiden Zehntklässlerinnen achten vor allem auf die Sprüche, die die Hinterbliebenen für die Anzeigen aussuchen. Dabei teilen sie sich ihre Arbeit gerecht auf: Gina Büsing begutachtet die Todesanzeigen für Frauen, Michelle Düser die für Männer.

Zisch ist ihren beiden Klassenlehrern, dem Ehepaar Elke und Wolfgang Mathiszig, seit Jahren ein Herzensanliegen. „ich habe schon mit Realschülern an dem Projekt teilgenommen, und jetzt bin ich zum ersten Mal mit einer Oberschul-Klasse dabei, nämlich mit unserer 10c“, sagt Elke Mathiszig.

Jeden Morgen lesen die Schüler die neue Ausgabe der NWZ im Unterricht. Das kennen nicht alle von ihrem Elternhaus, und deshalb ist Elke Mathiszig das Medienprojekt auch so wichtig. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben. Und wer alles glaubt, kann auch nichts kritisch hinterfragen – ein leichtes Opfer für Falschmeldungen und Gerüchte im Internet und besonders in den sozialen Medien.

Zisch findet schon zum 26. Mal statt und wird von der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), der Nordwest-Zeitung und dem IZOP-Bildungsinstitut aus Aachen veranstaltet.

Bei Zisch bekommen die teilnehmenden Schulen für rund drei Monate die NWZ in die Klassen geliefert, und die Schüler arbeiten mit der Zeitung. Doch die Jugendlichen lesen sie nicht nur, sondern schreiben und recherchieren auch selbst für die Zeitung. 2017 beteiligen sich insgesamt 34 Klassen aus den Kreisen Wesermarsch, Ammerland und Friesland.

Doch nicht nur während der Schulzeit sollen sich die Schüler mit dem Medium Zeitung auseinandersetzten. Damit sie dies auch konsequent über einen längeren Zeitraum zu Hause machen, gibt es die von ihnen selbst gewählten Langzeitaufgaben.

Und damit sich gute Leistung auch lohnt, werden die besten Langzeitaufgaben und Artikel zum Abschluss von Zisch prämiert.

Die Langzeitaufgaben erledigen die 19 Schüler in den Fächern Wirtschaft und Religion – den einzigen, die nicht im Kurssystem erteilt werden. Jeder übernimmt zwei Langzeitaufgaben – und oft hängen sie zusammen. So guckt Lara Horstmann in Wirtschaft auf die Elektromobilität und in Religion auf die Luftverschmutzung – Stichwort Bewahrung der Schöpfung. Imke Kaemena beleuchtet in Wirtschaft die Landwirtschaft und in Religion die Ernährung – jeweils sowohl aus Sicht des Erzeugers als auch aus Sicht des Verbrauchers. Und Jaron Müller wertet im Regionalteil die Zahl des Tages aus und in Religion das Horoskop.

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland