RODENKIRCHEN - Der Lehrer war 35 Jahre am Schulzentrum in Rodenkirchen tätig. Er war damit der zweitdienstälteste Kollege unter den Pädagogen.
von Rolf Bultmann
RODENKIRCHEN - Der gestrige erste Schultag nach den Sommerferien war für Ernst-Ulrich Rach nach 39 Jahren im Schuldienst, davon 35 im Rodenkircher Schulzentrum, auch der letzte. Nach noch einmal vier Stunden Unterricht in der Realschule bereiteten deren 240 Schüler dem 65-jährigen Rodenkircher Pädagogen zur Verabschiedung in den Ruhestand einen großen Bahnhof.Obwohl er gar nicht damit gerechnet hatte, an seinem letzten Diensttag in den neuen Klassen unterrichten zu müssen, sei ihm dies wesentlich leichter gefallen als die Abschiedszeremonie, sagte der sichtlich bewegte Ernst-Ulrich Rach. Zu der ohne sein Wissen von Realschul-Konrektor Wolfgang Trautmann organisierten Verabschiedung traten alle Klassen vor dem Schulgebäude an und überreichten Ernst-Ulrich Rach durch die Klassensprecher Rosen.
Mit Ernst-Ulrich Rach schied nicht nur der zweitdienstälteste Pädagoge des Rodenkircher Schulzentrums, sondern auch eine Institution aus dem Schuldienst aus. Über 1000 Schüler erlernten beim gebürtigen Berliner das Schwimmen. Dank Ernst-Ulrich Rach sei man stolz darauf gewesen, bis auf wenige begründbare Ausnahmen keinen Schüler aus der damaligen Orientierungsstufe in die 7. Klasse entlassen zu haben, der nicht schwimmen konnte, so Wolfgang Trautmann.
Nach dem Abitur in Verden an der Aller und zwei Jahren Bundeswehrdienst hatte Ernst-Ulrich Rach von 1965 bis 1967 sein Lehrerstudium an der Pädagogischen Hochschule Bremen absolviert. Weil ihm das „Pflaster“ in Bremerhaven, dort hätte er sich bewerben können, zu teuer erschien, trat er 1967, trotzt des Verzichts auf eine halbe Gehaltsstufe, in den niedersächsischen Schuldienst und in Berne seine erste Lehrerstelle an. 1971 wurde er an die damalige Volksschule Rodenkirchen mit Förderstufe abkommandiert. 1975 wechselte er an die Orientierungsstufe in Rodenkirchen und mit deren Auflösung vor zwei Jahren an die Realschule Rodenkirchen.
Ernst-Ulrich Rach, der seit 1977 mit der Rodenkircher Realschullehrerin Verena Rach verheiratet ist und seitdem in Rodenkircher wohnt, unterrichtete Mathematik, Sport und Biologie, obwohl er letzteres Fach nicht, sondern Chemie studiert hatte. „Das hätten wir früher wissen müssen“, zeigte sich gestern auch Konrektor Wolfgang Trautmann überrascht.
Auf seinen fast 40-jährigen Schuldienst zurückblickend, stellt Ernst-Ulrich Rach fest, dass Schüler und auch Eltern nicht mehr so diszipliniert seien. Früher sei es einfacher gewesen, einen gemeinsamen Weg mit Schülern und Eltern zu finden. Auch komme mittlerweile die Vermittlung der Grundkenntnisse in der Schule zu kurz. Weil außerschulisch zu viel auf die Kinder einstürme, fehle ihnen die Orientierung. Ernst-Ulrich Rach appelliert daher an die Eltern, mehr mit der Schule zusammenzuarbeiten.
Langeweile wird Ernst-Ulrich Rach ab heute nicht haben. Er kann jetzt mehr Zeit in sein Hobby und in seine Ehrenämter investieren. Ernst-Ulrich Rach ist seit Jahren ein sehr engagierter Heimatsportler. Unter anderem ist er Feldobmann des Klootschießer-Kreisverbandes Butjadingen und Landesfachwart des Niedersächsischen Turnerbundes für das Schleuderballspiel. Zudem ist er Mitglied in verschiedenen Arbeitsausschüssen der Friesensportverbände und des Turnerbundes.
