ROSTRUP/AUGUSTFEHN - Nils Bloem kommt ganz schön ins Schwitzen. Gleich eine ganze Fuhre Pflastersteine haben seine Mitschülerinnen Jaqueline Kraus und Meike Cordemann neben ihm aufgetürmt. „Das macht richtig Spaß hier, die praktische Arbeit gefällt mir gut“, sagt der 14-Jährige.
Die drei Schüler der 7. Jahrgangsstufe der Hauptschule Augustfehn sind an diesem Tag seit 8 Uhr morgens auf der „Lehrbaustelle“ des Ausbildungszentrums der Bauwirtschaft in Rostrup aktiv. Heute steht für die Schüler und 28 weitere Mitschüler nicht Englisch oder Mathematik auf dem Stundenplan, sondern ein Einblick in die Berufspraxis. „Der Tag soll ihnen helfen zu entdecken, welchen Beruf sie später einmal ergreifen wollen, und zu entdecken, was sie später auf keinen Fall machen wollen“, sagt Lehrerin Anja Bremer, die die Schüler begleitet.
Für Nils war der Tag jedenfalls hilfreich. „Ich könnte mir gut vorstellen, später im Straßenbau zu arbeiten“, sagt der 14-Jährige. Das wiederum können sich Jaqueline und Meike nun gar nicht vorstellen. „Straßenbau ist für Frauen körperlich zu hart“, findet Jaqueline, die später gern etwas mit Kindern machen möchte.
Den 12- bis 15-jährigen Jugendlichen ist klar, dass die Lehrstellensuche für sie nicht einfach wird. „Wir müssen heutzutage als Schule mehr tun, damit wir unsere Schüler in der Arbeitswelt unterbringen können“, weiß Hauptschullehrerin Anja Bremer.
Die 13-jährige Kimberley Gerdes versucht sich derweil an einem anderen Stand als Fliesenlegerin. „Ich finde es gut, dass wir hier als Mädchen in typische Männerberufe wie Fliesenleger oder Maurer hineinschnuppern können“, sagt die Schülerin. Sie möchte nach dem heutigen Ausflug in die Berufswelt gern etwas Praktisches lernen. Das Einteilen in typische Männer- oder Frauenberufe müsste man heute generell überdenken, findet sie. „Als Fliesenleger wären Frauen genauso gut, wenn nicht besser geeignet als Männer, weil sie vielmehr Geduld beim Arbeiten haben.“ Und Geduld müsste man besonders bei schwierigen Fliesenmosaiken mitbringen, so ihre Erfahrung.
Angesichts soviel weiblichem Selbstbewusstsein steigt Mitschüler Andreas Jung die Blässe ins Gesicht. Aber so recht will er nicht an einen Ansturm von Bewerberinnen auf die männliche Domäne des Bauhandwerks glauben. „Das ist alles nur Gerede“, so der 14-Jährige.
