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NWZonline.de Ratgeber Beruf & Bildung

Bohren bis das Wasser sprudelt

27.07.2019

Rostrup /Nottuln Drehen wir den Wasserhahn auf, kommt Wasser. „Dass die Wasserwerke das nicht hergezaubert haben, darüber machen sich die wenigsten Gedanken“, sagt Phillip Mülder. Der 19-Jährige macht eine Ausbildung zum Brunnenbauer bei der Firman Vormann in Nottuln bei Münster.

Brunnenbauer bohren meist tief ins Erdreich – und sichern so die Wasserversorgung. „Gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen, etwa dass es immer trockener wird, finde ich das eine total sinnvolle Ausbildung“, sagt Mülder.

Er ist mit dem Beruf groß geworden. Seit Vater hat ein Brunnenbauunternehmen in Wesel (NRW). Der 19-Jährige hat sich aber bewusst dazu entschieden, in der Ausbildung einen anderen Betrieb kennenzulernen. Mit seinem Ausbildungsbetrieb, der Firma Vormann, ist er vor allem auf Montage unterwegs. Es geht zu Baustellen in ganz Deutschland.

Als Azubi übernimmt Mülder vorerst die Hilfstätigkeiten: Er reicht zum Beispiel Bohrgestänge an, schüttet Filterkies oder nimmt Bodenproben. Harte körperliche Arbeit also. Mülder würde es sich nicht anders wünschen. „Ich bin nicht der Mensch, der im Büro sitzt und nur einen Kugelschreiber über das Papier bewegt“, sagt der 19-Jährige. Nun ist er den ganzen Tag an der frischen Luft.

Brunnenbauer arbeiten mit großen Maschinen. Mitbringen sollten Interessierte daher „auf alle Fälle technisches Verständnis“, sagt Lothar Schoka, Lehrwerkmeister im Ausbildungszentrum Bau-ABC Rostrup (Ammerland). Zudem sei es wichtig, dass die Lehrlinge Arbeitsabläufe erkennen, einordnen und ausführen können. Schoka zeigt ihnen im Ausbildungszentrum zum Beispiel, wie sie die Maschinen per Fernsteuerung bedienen können.

Das Tablet gehört dabei zum täglichen Handwerkszeug der Azubis, sagt Schoka. Denn die Digitalisierung spielt für die Brunnenbauer eine wichtige Rolle. Wer den Beruf erlernt, sollte auch einigermaßen fit in Mathe sein. „Die Auszubildenden müssen Massen bestimmen können, Bohrlochinhalte berechnen oder zum Beispiel ermitteln, wie viel Material sie auf der Baustelle benötigen“, erklärt der Brunnenbauermeister.

An einem typischen Tag auf der Baustelle kontrollieren Brunnenbauer erst die Maschinen, dann beginnt die Bohrung. Die geht so lange, bis die entsprechende „Teufe“, also Tiefe, erreicht ist. „Der Begriff ist noch aus der Bergmannsprache übrig geblieben“, erzählt Schoka. Nach getaner Arbeit bauen die Fachkräfte die Pumpe ein und der Brunnen wird „klargepumpt“, bis das Wasser die gewünschte Qualität hat.

Die Ausbildung findet in der Berufsschule, im Betrieb und in überbetrieblichen Ausbildungszentren statt. Eines davon steht in der Region Brandenburg, eins ist das Bau-ABC Rostrup (Bad Zwischenahn). „Die Auszubildenden kommen hier aus ganz Deutschland zusammen“, sagt Lehrwerkmeister Schoka. Sie sind dann für einige Wochen im Internat untergebracht und lernen so früh, auf eigenen Beinen zu stehen.

Am meisten Spaß am Beruf bringt für Lehrwerkmeister Lothar Schoka der tägliche Erfolg. „Hat man erfolgreich gebohrt – und das Wasser sprudelt, und die Kunden sind glücklich, das ist eigentlich das Schönste.“

Die Chancen, einen Job zu bekommen, sind nach Einschätzung von Lothar Schoka sehr gut. Er kenne keinen guten Brunnenbauer, der arbeitslos ist. 2018 gab es nur 45 neue Lehrverträge.

Mülder weiß schon, dass er an die Ausbildung seinen Meister anschließen möchte. „Ein halbes Jahr, in Vollzeit.“ Und danach geht er womöglich ins Ausland, um neue Einblicke in den Beruf zu gewinnen. In die Schweiz oder nach Kalifornien, so sein Ziel.

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