SAGE - Die 22-jährige Julia Krupp gehört zum alten Eisen. So sehen es jedenfalls die Verantwortlichen des Niedersächsischen Turnerbundes (NTB) und des Turnkreises Oldenburg-Land, die ihr im Rahmen des Kreisturntages am 16. April in Höven die silberne Kreisehrennadel verliehen. Monika Schmincke, erste Vorsitzende des Turnkreises, überreichte der Sagerin neben der silbernen Nadel eine Urkunde „in Würdigung und Anerkennung für langjährige, verdienstvolle Tätigkeiten“.
Jugendliche liegen ihr am Herzen, genau wie der Turnsport. Anders ist es nicht zu erklären, dass sich die 22-Jährige seit zehn Jahren im Turnen engagiert. „Im Grunde ist meine Mutter Schuld“, sagt Julia Krupp. Diese hatte vor 20 Jahren ihre damals zweijährige Tochter zum Eltern-Kind-Turnen mitgenommen und offensichtlich eine Leidenschaft in ihr geweckt. Beim TSV Großenkneten begann sie 1998, Übungsleiter in ihrer Arbeit mit Kindern zu unterstützen. Nur ein Jahr später absolvierte Julia Krupp die Kreisturnschule, was sie dazu berechtigte, als ausgebildete Helferin und Betreuerin tätig zu werden. Mit 16 Jahren übernahm sie ihre erste eigene Gruppe, in der sie, aus versicherungstechnischen Gründen unter Aufsicht eines Elternteils, einmal wöchentlich für zwei Stunden 30 Kinder anleitete. Damals wie heute bekommt sie dafür nicht mehr als vier Euro pro Stunde.
Doch Julia Krupp ist Idealistin, was ihre weiteren Tätigkeiten und Fortbildungen belegen. So engagiert sich die „Turnnärrin“ seit nunmehr sieben Jahren als stellvertretende Jugendwartin des Turnkreises Oldenburg-Land für den Nachwuchs. Beinahe genau so lang ist sie in gleicher Funktion für den TSV Großenkneten aktiv. Überhaupt, der Nachwuchs. „Es macht so viel Spaß, besonders, wenn die Kinder vernünftig mitarbeiten“, schwärmt die passionierte Turnerin. Für die Jüngeren organisiert sie einmal jährlich eine „Übernachtungsfete“ in der Turnhalle, ältere Jugendliche begleitet die Sagerin auch zu mehrtägigen Großveranstaltungen. Zusammen mit dem Nachwuchs war sie zu Deutschen Turnfesten und Landesturnfesten nach Leipzig, Berlin und Oldenburg gereist. Dafür sind gesetzliche, ökonomische und organisatorische Kenntnisse hilfreich. Gut, dass sie 2004 in einer einwöchigen Schulung ihre „Jugendleiter-Card“ erwarb. Eine überfachliche Qualifikation, die sie zur Planung und Organisation von
außersportlichen Ereignissen berechtigt und befähigt.
Bis vor zwei Jahren arbeitete Krupp regelmäßig als Betreuerin für ihren Heimatverein TSV. „Zu Spitzenzeiten hatte ich jeden Montag 50 Kinder vor mir“, sagt sie. Doch mit Beginn ihrer Ausbildung zur Chemielaborantin musste sie etwas kürzer treten. Täglich fährt sie von Sage nach Oldenburg und zurück. Momentan befindet sich die frisch Geehrte in den Vorbereitungen zur Zwischenprüfung, weshalb sie bis Ende Mai nicht so oft in der Halle stehen kann, wie sie gern würde.
„Natürlich gab es auch Phasen, in denen ich keine Lust mehr hatte“, gesteht Krupp, aber ans Aufhören denkt die 22-Jährige noch lange nicht. Mindestens bis zum Abschluss ihrer Ausbildung werde sie den Jugendlichen der Region weiterhin zur Verfügung stehen. Im November möchte sie in einer weiteren Schulung sogar die C-Lizenz erwerben, den Übungsleiterschein. Das Gespräch endet abrupt, als Julia Krupp einen flüchtigen Blick zur Uhr wirft und bemerkt: „Ich muss zum Fußballtraining“. Sie spielt nicht selbst, sondern betreut seit fünf Jahren die Mädchenfußballmannschaften der Sportfreunde Littel. Alle, von der E- bis zur B-Jugend...
