Sande - Die Oberschule Sande will wieder mehr Haupt- und Realschule wagen und mit Beginn des nächsten Schuljahrs im Sommer 2020 den Schülern mit Wechsel in die siebte Jahrgangsstufe nach Schulzweigen differenzierten Unterricht anbieten. Das berichtete Schulleiter Hans-Joachim Vogt in dieser Woche bei einem Informationsabend für alle Eltern, die bald wieder vor der Entscheidung stehen, welche weiterführende Schule ihr Kind nach der Grundschule besuchen soll.
Die Differenzierung nach Schulzweigen sei lange im Schulvorstand beraten und nun einstimmig beschlossen worden, so Vogt. Die große Mehrheit der Eltern trage die Entscheidung mit. Der Landkreis als Schulträger sei über die Pläne informiert worden. Der Differenzierung geht in den Jahrgängen 5 und 6 eine Orientierungs- oder Findungsphase voraus, an deren Ende eine zweite Schullaufbahnempfehlung steht.
Gefühlte Hauptschule
Die Haupt- und Realschulen sind seit gut acht Jahren vielerorts Geschichte in der niedersächsischen Schullandschaft. An ihre Stelle trat damals die neue Bezeichnung „Oberschule“. Die Schulform fasst die Haupt- und Realschule ab der Jahrgangsstufe 5 zu einer Schulform zusammen. Im Jeverland haben Oberschulen ab 2011 die Haupt- und Realschulen in Hohenkirchen, in Jever und in Sande abgelöst – in Schortens wurde stattdessen die Integrierte Gesamtschule Friesland-Nord gegründet.
Das Problem: „Gefühlt“ und von vielen Eltern so wahrgenommen ist die Oberschule die Hauptschule mit einem anderem Etikett. Und seit der Freigabe des Elternwillens vor drei Jahren für die weitere Schullaufbahn schicken oder drängen Eltern ihre Kinder vermehrt auf die Gymnasien und Gesamtschulen, die Oberschulen fallen immer weiter zurück. Heute hat die Oberschule Sande nur noch 260 Schüler. Vor wenigen Jahren noch haben 600 Kinder und Jugendliche die Schule am Falkenweg in Sande besucht.
An der Oberschule werden ähnlich wie an der Gesamtschule Kinder und Jugendliche gemeinsam unterricht, eine Differenzierung nach Leistung erfolgt in aller Regel nur in wenigen Kernfächern. Die Oberschule verlassen Jugendliche nach Jahrgang neun oder zehn mit dem Haupt- oder Realschulabschluss, an den meisten Gesamtschulen können sie auch die Abiturprüfung ablegen.
An der Oberschule Sande sollen die Schüler ab Klasse 7 entweder klar mit dem Ziel Hauptschulabschluss und somit auch mehr berufsorientiert unterrichtet, oder auf den Realschulabschluss hin unterrichtet werden. Es findet also weniger gemeinsamer, dafür deutlich mehr differenzierter Unterricht statt. Vogt betont, dass die Schüler so mehr nach ihren Neigungen und Talenten unterrichtet werden können. „Das System bleibt weiterhin durchlässig und die Schule weiterhin eine Schule für alle“, sagt er. Es könnten neue Profilklassen entwickelt werden, Schüler würden motivierter lernen. Mit Schülerfirmen, Praktika und Projekten könne man Schüler zudem gut vorbereiten auf eine berufliche Zukunft im Handwerk, dessen Boden bald goldener ist als je zuvor.
Schule entscheidet selbst
Aus Sicht des Landkreises alles kein Problem: „Der Unterricht kann nach Entscheidung der Schule überwiegend schulzweigbezogen erteilt werden“, sagt die stellvertretende Landkreis-Sprecherin Tanja Freesemann. Dabei bedeutet „überwiegend schulzweigbezogener Unterricht“, dass die Schülerinnen und Schüler in getrennten Schulzweigen – also in diesem Fall in Hauptschul- und Realschulzweig – unterrichtet werden können. Dem Unterricht in den Schulzweigen liegen die Kerncurricula der Hauptschule und der Realschule zugrunde, während einem jahrgangsbezogenen Unterricht das Curriculum der Oberschule zugrunde liegt.
Ist die Oberschule in Schulzweige gegliedert so wie Sande es nun plant, wird der Unterricht überwiegend in schulzweigspezifischen Klassenverbänden erteilt. Diese Form der Differenzierung gibt es an einigen Oberschulen in Friesland, so Freesemann.
Das Land Niedersachsen als Gesetzgeber hat den Oberschulen diese Entscheidungsmöglichkeit überlassen. Somit hat die Oberschule Sande im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen entschieden. Erfahrungen an anderen Schulen werden im Rahmen von Daten nicht beim Landkreis Friesland erhoben.
