SANDKRUG - Seit etwas mehr als einer Woche ist Ufke Janssen neuer Schulleiter der Grundschule Sandkrug – unbekannt waren ihm die Gebäude und das Gelände am Sommerweg aber schon am ersten Tag nicht: Janssen war bereits ab 1987 Lehrer an der Schule, wechselte für drei Jahre als Konrektor nach Kirchhatten und übernahm 1995 die Leitung der Grundschule Neerstedt.
Der 54-Jährige, als Sohn eines Ostfriesen und einer Sächsin in Köln geboren, hatte sich zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn bewusst für Niedersachsen entschieden und in Göttingen studiert.
Ganz bewusst war auch die Entscheidung, sich um die Leitung der Sandkruger Grundschule zu bewerben. „Die Schule bleibt auf absehbare Zeit zweizügig – im Gegensatz zu einer Zwergschule gibt es hier immer Alternativen – für Lehrer wie für Schüler“, sagt Janssen. Besonders deutlich werde das bei allem was Angebotscharakter habe, etwa wenn für eine AG ein Verein mit ins Boot geholt werden müsse. „Der Aufwand ist an einer kleinen Schule leider der gleiche wie an einer großen Schule.“
Es sei außerdem der richtige Zeitpunkt gewesen, Neerstedt zu verlassen und noch einmal etwas Neues anzufangen, meint Janssen: „Nach so vielen Jahren schleifen sich Dinge ein, es entsteht eine gewisse Enge und es lohnt sich, das aufzubrechen.“
Auch wenn Janssen die Schule kennt, nur eine Kollegin war schon während seiner ersten Station in Sandkrug. Das neue Kollegium schreckt ihn aber nicht: „An der Schule ist eine extrem positive Entwicklung spürbar“, sagt Janssen. „Das merkt man am Klima in den Klassen, auf dem Pausenhof und auch im Lehrerzimmer sofort.“ Auch die ersten Termine mit der Gemeindeverwaltung seien vielversprechend verlaufen, sagt Janssen.
Er möchte die Ausstattung der Schule mit moderner Unterrichtstechnik gerne fortführen, ohne nur auf Computer zu setzen. „Wenn an manchen Schulen kein Geld für ein Stück Knete da ist, mit dem die Kinder die Muskeln in ihren Händen trainieren können, gleichzeitig aber 3000 Euro für einen Computerarbeitsplatz ausgegeben werden, stimmt etwas nicht“, findet er.
Er wolle keine Elternschelte betreiben, sagt Janssen, aber viele Aufgaben könnte Schule nur gemeinsam mit den Eltern lösen. „Wer meint, er kann sein Kind einfach hier abgeben und die Schule macht das dann schon, der irrt sich.“ Manche Grundlage müsse einfach schon vor der Schulzeit gelegt werden. „Es würde in der Schule vieles schneller gehen, wenn alle Kinder sich selbst anziehen könnten – diese Zeit fehlt für andere Dinge. Außerdem ist es für ein Kind kolossall schwer, schreiben zu lernen, wenn es keine Mal-Erfahrung hat – es weis ja gar nicht, wie man einen Stift hält“, sagt Janssen.
Die zusätzlichen Erziehungsaufgaben, die Grundschule heute bereits meistern müssen, werden noch weiter zunehmen, davon ist Janssen überzeugt. Eine große Herausforderung werde auch die generelle Beschulung von Kindern mit Behinderungen in den Regelschulen sein. Er selbst sagt Janssen, habe sich sehr für diese Entwicklung stark gemacht, wie die Umsetzung allerdings ohne wesentliche Ressourcen – vor allem Fachpersonal – gelingen solle, sei ihm nicht ganz klar.
Bei allen Herausforderungen eines steht für Janssen fest: „Die Kinder mit denen wir arbeiten, sind so nett und freundlich wie die Kinder früher.“
