SANDKRUG - Umgerechnet 27 Euro Miete für eine Zwei-Zimmer-Wohnung, ein Euro für ein Kilogramm Reis und 40 Euro für eine Winterjacke: Was für Westeuropäer preiswert klingt, ist für den Großteil der Bevölkerung in Weißrussland schier unerschwinglich. Und das bei Wintern, in denen minus 20 Grad normal sind. Seit mehr als elf Jahren unterstützen die Sandkruger Malteser sowie die Kirchengemeinde St. Josef Sozialwaisen und weitere Bedürftige in dem osteuropäischen Land. Um die zahlreichen Kleiderspenden aufzuarbeiten und entsprechend den Bestimmungen in Belarus zu verpacken, haben Malteser und Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Anfang des Jahres ein spezielles Projekt ins Leben gerufen.

Im Rahmen eines Tags der offenen Tür stellte die LEB am Sonnabend ihre Aktivitäten in der Halle von Gerold Martens an der Bümmersteder Straße vor. LEB-Projektleiter Markus Lanfer und sein Team führten durch die Halle und vermittelten Einblicke in den Arbeitsalltag. Im Rahmen eines so genannten AGH-Projekts werden Langzeitarbeitslose gefördert. 18 Personen nehmen am Projekt teil. Sie sortieren und reparieren Kleidung für die Weißrusslandhilfe oder reparieren Fahrräder.

Dank zahlreicher Spenden geht es in der Halle zu, wie in einem gut organisierten Betrieb: Es gibt mehrere Werkstätten und Schulungsräume. Demnächst sollen die Container um ein weiteres Stockwerk erhöht werden. Dann seien weitere gezielte Schulungen möglich, so Lanfer, der das große Engagement der Projektteilnehmer würdigt. „Jeder hat eine Aufgabe gefunden, die ihm Freude bereitet und einen Lebenssinn gibt. Oftmals ist es so, dass die Teilnehmer erst hier feststellen, wie viele arme Leute es gibt. Das treibt sie zur Hilfe an.“ Wie auch Manuel Buchholz: „Ich bin erst seit zwei Wochen hier, habe mich aber bereits gut eingefunden. Als Zweiradmechaniker kann ich mein Wissen für einen guten Zweck weitergeben“, sagt der 26-Jährige. Projektleiter Lanfer weist auf die Bedeutung eines geregelten Tagesablaufs für die je neun Männer und Frauen hin. „Auf diese Weise haben sie am ehesten eine Chance auf einen festen Arbeitsplatz.“

Die Besucher zeigten sich beeindruckt von den Aktivitäten in der Martens-Halle. Auf Schautafeln wurde die Weißrusslandhilfe dargestellt. Die Lose für eine üppig bestückte Tombola waren schnell vergriffen. Auch Bürgermeisterin Elke Szepanski, die im vergangenen Jahr mit den Maltesern in Weißrussland war, informierte sich am Tag der offenen Tür. Sie sprach von einem „Vorzeigeprojekt“.